Gesund oder Geil?

in „Gewicht reduzieren“

Zu diesem Thema gibt es 28 Antworten

Ein freundliches Hallo in die Runde,

ich bin neu hier, hab noch nie in einem Forum ein Thema angeschnitten, hoffe das aber im richtigen Unterforum zu tun und bitte daher schon mal um Verzeihung, falls ich das nicht so geschmeidig hinbekomme wie die Profis. Und falls das Thema schon ausführlich diskutiert wurde, dann war ich einfach zu ungeschickt und habe die entsprechenden Einträge im Forum nicht gefunden, sorry, bin aber dankbar für entsprechende Hinweise.
Folgender Gedanke beschäftig mich schon sehr lange, brennt mir wirklich auf den Nägeln und daher wage ich jetzt mal den Schritt und wäre über entsprechende Überlegungen, Ideen, Gedanken oder Ratschläge von Euch dankbar:
Bei der Partnersuche hier geht es nicht selten um Menschen, deren BMI ein gesundes Maß zum Teil deutlich überschreitet. Ich muss zugeben, ich finde auch Damen über die Maßen attraktiv, wenn sie eben deutlich über den (normalen) Maßen liegen.
Soweit, so gut.
Jetzt hat man Glück, man findet einen entsprechenden Partner und verliebt sich.
Auch noch gut. Oder sehr gut natürlich.
Jetzt fängt aber möglicherweise das Problem an: Wenn man seinen Partner wirklich liebt, dann möchte man doch nur das Beste für sie/ihn. Und das würde meines Erachtens ggf. eine deutliche Gewichtsreduktion bedeuten. Will meinen, man müsste seinen Partner dazu ermutigen und unterstützen und ggf. vielleicht sogar dazu drängen, deutlich abzunehmen. Denn man weiß ja, das deutliches Übergewicht der Gesundheit sehr schaden kann und das kann man sich für seinen Partner ja nicht wünschen! Von der möglicherweise verlorenen Lebensqualität mal ganz abgesehen. Ich denke Ihr wisst genau was ich meine.
Damit würde man aber gegen seinen eigenen Wunsch, einen schweren Partner zu haben, arbeiten.

Wie bekommt man diesen Widerspruch auf die Reihe?
Ist das zu oberflächlich gedacht?
Ist es dann keine echte Liebe, wenn man seinen Partner gerne mit einem ungesunden BMI hätte?
Wie habt Ihr diesen Widerspruch, falls Ihr den auch so seht, für Euch gelöst?

Sorry, wegen dem etwas reißerischen Titel...
Danke für Eure Antworten und einen schönen Sonntag wünscht
Thomas

Hallo Apfel!

Besten Dank für Deine Reaktion. Bitte verstehe mich nicht falsch, aber meine Absicht war es nicht meine persönliche Situation zu diskutieren, sondern eher Ansichten und Ideen zum angeschnittenen Thema zu sammeln.

Trotzdem möchte ich Dir kurz zum Thema „meine Frau“ antworten: Meine Frau ist schon immer schlank, ich werde sie wegen meinen Wünschen natürlich nicht verlassen. Sie ist ein ganz lieber, anständiger, guter (Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen) Mensch. Also ja, es gibt weitere Fundamente als nur den BMI.

Vielleicht gibt es aber zu meiner Frage keine „guten“ Antworten. Klingt ja auch ein bisschen wie der Versuch der Quadratur des Kreises ;-)
Aber wer weiß?...

Beste Grüße
Thomas

Du argumentierst mit Gesundheit und eingeschränkter Lebensqualität und leitest daraus so etwas wie eine Mitverantwortung für die Partnerin ab.

Für mich ist das ein heikler Gedanke. Sorge um jemanden, ja. Ehrlich ansprechen, wenn einen etwas beschäftigt auch ja.

Aber die Verantwortung für den Körper und die gesundheitlichen Entscheidungen eines erwachsenen Menschen liegt am Ende bei ihm selbst.

Wenn deine Anziehung davon abhängt, dass sie ein bestimmtes Gewicht behält, ist das legitim, aber dann ist es deine Präferenz, nicht deine moralische Pflicht. Gesundheit als Begründung vorzuschieben, vermischt Fürsorge mit Kontrolle.

Liebe bedeutet für mich nicht, den anderen in eine „bessere“ Richtung zu steuern, sondern ihn in seiner Eigenverantwortung ernst zu nehmen auch wenn ich nicht jede Entscheidung teile.

LIebe ist den Menschen so zu nehmen wie er ist und ihn/sie zu unterstützen, wenn er/sie was ändern möchte, gerade wenn es für die Gesundheit gut ist/wäre.

Aber auch rauchende oder Alkohol trinkende Personen und Extremsportler haben Partner. Gerade Leistungssportler, die ihren Körper extrem schädigen, würden doch auch keine Partnerschaften wollen, in denen der andere ihnen reinreden will, wie sie zu sein und was sie zu machen haben. Es gibt ja oft auch vielfältige Gründe, warum alles so ist, wie es ist. Im Idealfall liebt man den Menschen als Gesamtpaket: In Gesundheit wie in Krankheit und auch in jeder Gewichtsstufe und es gibt Dinge, die einen wirklich auf emotionaler Ebene verbinden.

Guten Abend VelvetNoir

Besten Dank für Deinen Beitrag. Wenn ich Dich richtig verstanden habe (und bitte korrigiere mich, wenn dem nicht so ist), dann stellt es sich für Dich grob so dar: Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Und damit hast Du natürlich recht. Es freut mich ehrlich für Dich, wenn Du dieses Thema so relativ einfach abhaken kannst. Und das meine ich nicht negativ oder abwertend.
Für mich stellt sich die Sache nicht so schwarz/weiß dar (immer vorausgesetzt, dass ich Dich richtig verstanden habe). Denn für mich würde aus der Liebe auch eine Mitverantwortung für den Partner entstehen. Ich will damit nicht sagen, dass Dein oder mein Empfinden dabei richtig oder falsch ist. Nur bei mir wäre es halt so und dann entsteht eben dieser Konflikt in mir. Ich habe das selber so erlebt.
Vermutlich kann ich aus diesem Grund auch Deinen Satz: „Gesundheit als Begründung vorzuschieben, vermischt Fürsorge mit Kontrolle“ nicht wirklich verstehen.
Deine Bemerkung dagegen, den Partner in seiner Eigenverantwortung ernst zu nehmen, unterschreibe ich natürlich voll.

Aber, VelvetNoir, ich erwarte hier keine allumfängliche, wasserdichte Lösung meines Problems. Vielmehr freue ich mich über Gedanken und Ansichten, genau so, wie Du Deine Sichtweise geschrieben hast. Es ist bestimmt ein guter Ansatz diese Sache auch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Lieben Dank dafür.

Beste Grüße und einen schönen Abend
Thomas

Guten Abend Vien-neta,

auch Dir danke für Deine Anmerkung. Auch Du hast recht, jeder wie er mag. Solange man dabei jemand anderem nicht auf die Füße tritt würde ich noch anmerken.
Du fragst, Wer beurteilt was das Beste ist?
Nun in dem Fall lehne ich mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass es nicht das Beste für einen Menschen sein kann, wenn er 50kg oder mehr (und die Zahl war jetzt willkürlich gewählt) zu viel mit sich rumschleppt. Natürlich kann man nun mit recht wieder Argumentieren: woher ich das denn wissen will? Vielleicht ist dieser Mensch ja total glücklich in seiner Situation. Aber es bleiben eben die langfristigen gesundheitlichen Folgen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass diese irgendwie erstrebenswert wären. Ok, theoretisch könnte dieser Mensch aber auch trotz allem glücklich sein.
Du siehst, mir geht es vielleicht ähnlich wie Dir, schwieriges Thema, empfinde ich jedenfalls so. Und dann kommt es wohl auch immer auf den Einzelfall an.

Schönen Abend!
Thomas

Hi SelfCare,

ist Dein Name Programm? ;-)
Gut, wenn dem so ist!
Dir ebenfalls Danke für Deine Sichtweise. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, gestaltet sich die Situation auch für Dich relativ einfach. Beneidenswert! Ich meine das ehrlich! Und vielleicht liegt das Problem ja schlicht bei mir, weil ich die Sache evtl. unnötig verkompliziere. Deine Argumente sind gut, wasserdicht und so spielt es sich ja auch zumeist ab. Alles richtig was Du sagt. Wobei es ja nicht vordergründig um richtig oder falsch gehen soll.
Trotzdem habe ich trotz all der guten Argumente noch immer den Konflikt der (ungefragten und evtl. unerwünschten) „Fürsorge“. Aber vielleicht wäre ja auch ein Weg, in dem Fall einfach meine Klappe zu halten, Mann genug sein, meine Gedanken und Sorgen einfach runterschlucken und das Thema überhaupt nicht ansprechen. Solange der Partner das nicht von selber tut.

Danke nochmals für das was Du geschrieben hast.
Beste Grüße
Thomas

Naja, wenn du mit einer schlanken Frau (glücklich) verheiratet bist, stellt sich doch die Frage eh nicht, ob du mit einer dicken Frau dein Leben teilst. Eine Gelegenheitsaffäre hätte bei solchen Themen DEFINITIV die Klappe zu halten. In so einer Position wäre es höchst übergriffig zu verlangen oder anzuregen, dass das Gegenüber irgendetwas ändert, das ihn ausmacht, weil die Affäre meist gar kein wichtiger oder Verantwortung übernehmender Teil im Leben der betroffenen Person ist. Eine Affäre soll beiden Betroffenen auf erotischer Ebene eine gutes Gefühl vermitteln. Sonst hätte sie gleich einen Abnehmcoach besucht oder er einen Spezialisten für Penisverlängerungen und Haartransplantationen.

Gibt doch die schöne Redewendung: Ungefragte Ratschläge sind Schläge.

Unterstützung: Ja. Vorschriften: Nein.

Ich glaube nicht, daß ein übergewichtiger Mensch der Fürsorge bedarf. Er weiß um gesundheitliche Risiken, Einschränkungen, ist ein Profi zum Thema Diät und gesunde Ernährung, bewegt sich im möglichen Rahmen. Die Ursachen für Übergewicht liegen meist tiefer, sind nicht selbst gewählt und schon gar nicht auf die leichte Schulter genommen. Wäre ein bisschen Fürsorge ausreichend, gäbe es wohl nur ganz wenige dicke Menschen.
Der Wunsch ist wahrscheinlich gewählt zu werden, obwohl man dick ist und nicht weil man dick ist.

Oder Partner, die einfach locker damit umgehen und nicht so ein starres Schönheitsideal im Kopf haben á la "eine Frau ist nur mit X-Y kg für mich interessant/sexy". Ganz viele Menschen, die dicke Partner haben, ticken ja so. Wenn die Männer dick sind, gilt das ja auch als "normal", da wundert sich keiner.

Glaube die Mehrheit möchte Mensch und kein Fetischobjekt in einer Partnerschaft sein. Wenn mann/frau nur das für das Gegenüber ist, ist das fast immer eine ungesunde Dynamik.

@ SelfCare

„Ungefragte Ratschläge sind Schläge“… Hm, ich würde sagen, es kommt auf die Situation an: Geh nicht über die Straße! Da kommt ein LKW!!! Aber ja, ich denke schon, ich habe verstanden, was Du damit meinst.

Etwas Unverständnis regt sich jetzt aber trotzdem bei mir: Woher nimmst Du die Idee, welche Fragen sich für mich aus welchem Grund stellen (dürfen)? Oder habe ich Dich falsch verstanden? Ich habe eine Frage gestellt und um Ansichten und Sichtweisen dazu gebeten, weil es mich wirklich beschäftigt. Zunächst völlig unabhängig von meiner persönlichen Situation.

Bei einer Affäre, bei der es nur oder hauptsächlich um Sex geht bin ich ganz bei Dir. Problematischer könnte es werden, wenn daraus eine echte Beziehung werden würde. Wäre für mich zumindest so, denn dann beginne ich mich automatisch um meinen Partner zu kümmern und zu sorgen.

Unterstützung: Ja. Vorschriften: Nein. Da bin ich auch voll bei Dir. Ich würde auch in dem Fall meiner Partnerin keine Vorschriften machen wollen. Ganz klar, das steht mir nicht zu. Jeder Mensch ist (oder sollte zumindest) ein selbstbestimmtes Wesen sein. Aber Fürsorge, Bedenken, Ideen und ja, vielleicht auch gaaanz vorsichtige, seltene Ratschläge wären ja keine Vorschriften denke ich. Jemanden zu etwas gegen seinen Willen drängen, geht natürlich gar nicht.

Nur zum Verständnis: In so einer Situation habe ich auch noch nie jemandem irgendetwas in dieser Richtung geraten! Ja, ich hab natürlich brav meine Klappe gehalten. Außerdem mag ich sie ja schwer und rund! Aber macht mich das nicht zu einem Egoisten, wenn ich meine Wünsche oder Bedürfnisse über die gesundheitlichen Aspekte meiner Partnerin stelle? War eine rhetorische Frage. Das muss ich mit mir selber ausmachen.
Oder bin ich da nicht Manns genug um einfach zu sagen: Hey, ich mag Dich stark und kräftig! Und denke dann: Mögliche, gesundheitliche Probleme? What do I care!
Wäre aber meines Erachtens auch nicht die feine englische Art ;-)

Zum Thema Schönheitsideal: Hm, wir sind ja hier bei Rubensfan. Diese Seite gibt es, denke ich, genau aus einem Grund. Weil es einen Markt und ein entsprechendes Schönheitsideal gibt. Bitte, das bedeutet aber natürlich nicht, dass man sein Gegenüber nur auf XYkg reduziert. Aber es spielt ganz offensichtlich eine ernstzunehmende Rolle denke ich.

„Glaube die Mehrheit möchte Mensch und kein Fetischobjekt in einer Partnerschaft sein. Wenn mann/frau nur das für das Gegenüber ist, ist das fast immer eine ungesunde Dynamik“
Absolut! Sehe ich auch so.

Aber wie gesagt, vielleicht sehe ich diese ganze Thematik auch nur viel zu kompliziert. Mir geht es auch nicht darum, heraus zu diskutieren, welche Ansicht richtig oder falsch ist. Und schon gar nicht will ich auch nur ansatzweise jemanden von meiner Sichtweise überzeugen. Nichts läge mir ferner!
Mir geht es nur darum Ansichten und Ideen zu dem Thema zu lesen und hier ist ja auch schon viel dabei gewesen, was mich nachdenken lässt. Und nur darum geht es mir. Danke! :-)

Guten Abend PW,

Cool! Klare Ansage!
Sehe ich genau so. Du hast das gut beschrieben. Muss man so unterschreiben.
Ich habe dem nichts hinzuzufügen, würde mir als dünnem Männchen, der von diesen Problemen keine tiefer Ahnung, hat auch nicht zustehen.
Aber wie gesagt, das wäre ja auch nicht der Punkt. Es interessiert mich Deine Sichtweise die mich auch zum Nachdenken anregt. Lieben Dank dafür!

Einen schönen Abend!
Thomas

Schönheitsideal sind eh immer eine zwiespältige Angelegenheit.
Silikon im Busen, Po oder aufgespritzte Lippen sind auch nicht "gesund" und bergen Gesundheitsrisiken. Operierte Nasen, Wangenknochen usw auch.
Aufgepumpte Muskeln, die mit allen mgl Hilfsmitteln unterstützt wurden, sind auch nicht gesund.
Aber weshalb jemand meint, nur so "schön und attraktiv " auszusehen, ist doch eigentlich die Frage.
Denn hier geht es häufig um ein geringes Selbstwertgefühl und dem Wunsch gefallen zu wollen über körperliche Attribute....
Da liegt meist ein Defizit im emotionalen Befinden.
Das bedarf des Verständnisses und der Fürsorge. Und ggf auch professionelle Hilfe.

Jeder mit erheblichem Übergewicht weiß um sein gesundheitliches Risiko.
Und auch um sein mentales Probleme,weshalb er übergewichtig ist, bzw um sein Problem bezüglich seines Eßverhaltens.
Zumal nicht nur mehrgewichtige Menschen ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper und dem Thema Essen haben.
Die Palette der Eßstörungen ist groß, ebenso bezogen auf das Thema Sport oder Ernährungsformen usw....
Das ist ja ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Jeder mag Fürsorge und Unterstützung.
Aber eben nur, wenn jemand darum bittet und nicht übergestülpt bekommt. Das ist schlicht übergriffig.

Solch ein übergriffigrs Verhalten kennen dicke Menschen zu genüge. Da reicht nur ein Arztbesuch usw. Da wird alles auf den BMI geschoben, obwohl dies meist unsinnig ist.
( Wenn jemand Normgewicht hat, aber dafür eine Bulimie, fällt es Ärzten oft paradoxerweise gar nicht auf und es wird objektiv das eigentlich Problem diagnostiziert... )

Betr Schönheitsidealen ist auch hier gültig.
Wenn um Unterstützung gebeten wird, gerne. Aber die "Gesundheitfürsorge" für jemand anderen ungefragt zu übernehmen, ist übergriffig.

Oder willst du jedesmal hören : " Mußt die das Bier noch trinken.... warum nutzt du den Fahrstuhl/ das Auto... warum ißt du soviel Fleisch/ Fettiges/ Fertigprodukte....wie, du machst nicht regelmäßig Sport... ????
Nur mal so als Beispiel.
Man ist als Partner kein Co.Arzt oder Therapeut oder externer Schweinehund Dresseur....
Man kann nur für sich eine Entscheidung fällen, dem anderen beim selbstzerstörerischen Verhalten nicht auf Dauer zusehen zu wollen. Und dies auch formulieren und sich trennen.

Übrigens kann es für mehrgewichtige Frauen auch ziemlich abwertend sein, daß sie als Sexobjekt mit ihrer Fülle sehr begehrenswert für jemanden ist, aber als Beziehung nicht gewählt wird, weil sie nur die Geliebte bleibt.


Letztlich möchte doch jeder um seiner selbst willen geliebt werden. Und nicht aufgrund von Klischees betr persönlicher Schönheitsidealen.

Und :
Das Gegenüber fragen, was es sich wünscht, hilft am besten.

Habe seit vorgestern überlegt, wie ich es am Besten in Worte fasse...Teja hats gemacht...danke dafür...

Aber eine Frage bleibt noch Sir Thomas...du schreibst gesund oder geil (ja, man schreibt es klein)...was genau ist für dich geil? Ist es die Frau, die dir optisch gefällt, ist es die Frau, die bereit ist, für dich als verheirateten Mann das bedeutungslose Nebenbei-Gschbusi zu sein oder ist es für dich geil, wenn du die Frau übergriffig bevormunden kannst?

Schönen Nachmittag Teja,

besten Dank für Deine lange und umfassende Antwort. Du hast das auch gut beschrieben und man kann Dir nur zustimmen.
Natürlich sehe ich es auch so, dass übergriffiges Verhalten inakzeptabel ist. Jetzt müsste man definieren, wo genau Fürsorge endet und übergriffiges Verhalten beginnt. Und das ist für jeden Menschen sicher nicht identisch. Wie vielfältig und komplex die Gründe für z.B. übermäßigen Alkoholkonsum, Rauchen, Risikosportarten, Übergewicht, etc. auch sind, es gibt darunter, denke ich, bestimmt auch Menschen, die ihr Verhalten eher ändern, wenn man sie hie und da mal anstupst, oder zum Innehalten anregt. Es ist individuell, was als freundliche Anregung oder als übergriffiges Verhalten empfunden wird.
Weiter oben habe ich geschrieben „…Fürsorge, Bedenken, Ideen und ja, vielleicht auch gaaanz vorsichtige, seltene Ratschläge wären ja keine Vorschriften denke ich“.
Zugegeben, wenn man möchte, dann kann man das so interpretieren: Der ballert den ganzen Tag ungefragt mit „guten“ Ratschlägen rum.
So habe ich das aber nicht gemeint.
Ich bin zwar ein Mann, aber ganz blöd und empathielos deswegen nicht 😉

Was ich aber dank der Antworten hier als allgemeinen Konsens sehe, ist, dass man den Menschen besser einfach in Ruhe lässt. Auch, wenn klar zu erkennen ist, dass die Richtung in die er sich bewegt keine gute ist… Ok, woher will ich denn wissen, welche Richtung für denjenigen gut oder nicht gut ist? Auch hier gilt wieder, es kommt auf den individuellen Fall an und natürlich nicht auf meine Sichtweise, sondern auf die des betroffenen Menschen.

Der kleinste Fingerzeig, egal ob es um Rauchen oder sonst etwas geht, kann schnell als übergriffig angesehen werden. Man muss einfach geduldig sein, nichts sagen, keine Anregung geben, und so lange warten, bis derjenige selber die Kraft aufbringt und selber beginnt etwas zu ändern oder um Hilfe bittet.

„Das Gegenüber fragen, was es sich wünscht, hilft am besten.“
Natürlich Teja, bin voll bei Dir. Aber bestimmt gibt es jemanden, der alleine schon die Frage: „Wünschst Du Dir, dass ich dir mit xyz helfe“, oder wie harmlos man das auch noch formulieren könnte, als übergriffig empfindet.
Ich denke es ist schlicht nicht möglich ein „one size fits all“ hier zu finden. Es kommt auf den einzelnen Menschen an, auf die individuelle Beziehung. Der eine sagt: „Du hast mir gar nichts zu sagen!“, der andere: „Scheiße, ja, ich weiß… ich muss echt mal anfangen mich darum zu kümmern“.

Was Du zum Thema Schönheitsideale geschrieben hast empfinde ich auch so. Es ist schlimm, dass gewisse „Ideale“ in den Medien und sonst wo dermaßen forciert werden. Die meisten Menschen sind keine Superfrauen oder Supermänner (ich auch nicht!), die sich diesem Druck ständig erwehren können, standhalten und genügend Selbstvertrauen haben um damit souverän umgehen zu können. Und ich kann mir vorstellen, dass es bei manchen Übergewichtigen genau das Gegenteil bewirkt. Nämlich Frust, Enttäuschung, Kapitulation und damit zu noch mehr Übergewicht führt. Was ist „schön“? Jeder definiert das individuell für sich. Und eigentlich sollte man uns diese Freiheit lassen. Schöne, neue Welt irgendwo?
Beneidenswert sind diejenigen, an denen das einfach abperlt.

Du schreibst: „Übrigens kann es für mehrgewichtige Frauen auch ziemlich abwertend sein, daß sie als Sexobjekt mit ihrer Fülle sehr begehrenswert für jemanden ist, aber als Beziehung nicht gewählt wird, weil sie nur die Geliebte bleibt“
Auch da hast Du recht. Aber die Lösung ist doch einfach: Wenn sie das so empfindet, dann darf sie die Beziehung als Geliebte nicht eingehen. Außerdem, wer sagt denn, dass sie „nur“ Sexobjekt, „nur“ die Geliebte ist/bleibt? Ich glaube, die zwischenmenschlichen Beziehungen sind komplex, vielschichtig und nicht schwarz und weiß und schon gar nicht auf Sexobjekt und Geliebte reduzierbar. Auch in diesem Fall. Doch ich kann verstehen, dass sich Frauen dadurch angegriffen und abgewertet fühlen können. Ebenso oder ähnlich wie durch die ständige Berieselung mit „Schönheitsidealen“ (s.o.), oder schlicht der Konfrontation mit der Tatsache, dass sich ihre Vorstellungen/Wünsche nicht immer mit denen der Mitmenschen decken.

Teja, nochmals Danke für Deine erschöpfende Antwort. Wie gesagt, eigentlich wollte ich ja gar keine Diskussion vom Zaun brechen. Hatte jetzt aber doch das Bedürfnis Dir etwas ausführlicher zu antworten.

Beste Grüße
Thomas

Das Thema an sich ist schon spannend. Ich habe es selber durchlebt.

Meinen Mann habe ich vor inzwischen 20 Jahren auf einer Online-Plattform für Liebhaber von Rubensmenschen kennengelernt. Er hatte damals explizit nach einer sehr üppigen Frau gesucht und mich gefunden. Es hätte selbstverständlich nicht dauerhaft mit uns geklappt, wenn wir nicht auch grundsätzlich im Leben gut zusammengepasst hätten, aber er hat schon (bis heute) eine Vorliebe für die runde Frau. Ich kenne sein optisches Beuteschema sehr gut und habe da auch keinerlei Probleme damit.

Ich habe in der Zeit mit ihm nochmals ordentlich an Gewicht zugelegt. Nicht zuletzt auch aufgrund eines Unfalls, der mich 2011 fast ein Jahr lang außer Gefecht gesetzt hat, einschließlich Rollstuhl und neu laufen lernen.

Schlussendlich bin ich bei einem Gewicht von ca. 160 kg gelandet. Für meinen Mann war das nie Thema. Er mochte mich, so wie ich war, sehr gern. Nur ich mochte mich irgendwann nicht mehr. Meine Mobilität wurde immer mehr eingeschränkt. Ich konnte kaum mehr 500 Meter laufen, ohne unters Sauerstoffzelt zu müssen. Das war echt ein beknacktes Leben.

Dann habe ich mich vor 5 Jahren entschieden mit drastischen Mitteln gegen mein massives Übergewicht vorzugehen. Ich war wirklich erst unsicher, wie das mein Mann aufnehmen und finden würde. Aber er hat von Anfang an unterstützend mitgezogen. Am Ende waren meine Einschränkungen auch seine Einschränkungen. Da ich kaum mehr irgendwo hinlaufen konnte, ist er auch kaum mehr irgendwo hingekommen. Alleine wollte er ja auch nichts groß machen. Das, was ihm im Bett durchaus gefallen hat, war im Alltag eine große Last.

Inzwischen habe ich mich halbiert und bin weiterhin glücklich verheiratet. Wir leben nun beide gesünder. Gehen beide ins Fitnessstudio. Sowas hat mein Mann, der in seiner Jugend Leistungssportler war, auch Jahrzehnte nicht mehr gemacht. Wir haben also beide an unserer Gesundheit gearbeitet.

Am Ende muss man entscheiden was man will. Ne Dicke im Bett oder ein aktives und halbwegs gesundes gemeinsames Leben. Wir haben uns zusammen für Letzteres entschieden. Aber das muss wirklich jeder für sich entscheiden. Es ist ja nicht jeder dicke Mensch so eingeschränkt wie ich es am Ende war. Aber je mehr Gewicht man aufbaut, desto größer ist ja nun mal die Wahrscheinlichkeit, dass man nicht mehr sonderlich aktiv sein kann. Sicher hat da auch jeder Mensch andere Erwartungen an sein eigenes Leben. Mich hat es am Schluss nur noch angekotzt. Ich wollte dieses Gewicht nur noch los werden. Ich war extrem unglücklich mit mir und meinem Zustand.

Ich tausche einmal die Begriffe Deiner Fragestellung aus, wenn Du erlaubst:

Archaisch befeuertes Verlangen oder Verantwortung

Wählst Du für Deine (für Dich vielleicht nicht einfache) Entscheidung als Orientierung die erste Begrifflichkeit, dann bist Du, bitte entschuldige, eher in der Nähe des sexuell Getriebenen, des sexuell Bestimmten. Ganz in der Nähe von Menschen, die ihre sexuellen Präferenzen nicht kontrollieren können. Du kannst davon ausgehen, dass ich diesen Satz noch sehr viel drastischer bebildern könnte.

Verantwortung im Gegensatz dazu - ach, das weißt Du schon. Das ist so etwas erwachsenes, mit Rücksicht und Respekt und Empathie und ehrlicher Zugewandheit und eben der Bereitschaft, verantwortlich zu handeln.

Das ist also nach meinem Verständnis erst einmal eine Haltungsfrage. Dass wir unsere eigene Haltung - wie auch immer sie sein mag - nicht dem Gegenüber aufzwingen können, versteht sich auch eigentlich von selbst.

Seaangel,
Groß- oder Kleinschreibung in der Überschrift ist ein Stilmittel und es bleibt dem Verfasser überlassen, ob und wie er damit umgeht.


Da irrst du dich...Rechtschreibung ist eine festgelegte Größe. Weißt du, es ist nicht schlimm, wenn sich jemand vertippt oder auch die Rechtschreibung nicht beherrscht. Aaaber: Dazu sollte man dann auch stehen. Das dann als Stilmittel abzutun ist frech und respektlos gegenüber jedem, der das liest.

Und nein...meine Frage ist weder abwertend noch gehässig. Es sind einfach die Fragen, die mir beim lesen deiner Ausführungen einfallen. Eine Antwort darauf wäre schon was...

Hi Tuppi Schleife,

danke für Deinen offenen und in Bezug auf das Ende, schönen Bericht. Ich kann Euch nur beglückwünschen für das tolle Ende Eurer Reise und freue mich sehr für Euch!
Es steht völlig außer Frage, dass diese Anfangssituation, wie Du sie geschildert hast, mit stark eingeschränkter Mobilität etc., keinesfalls erstrebenswert und eine riesige Belastung für die betreffende Person ist. Ebenso steht es natürlich fest (und ich frage mich ernsthaft, ob ich das hier überhaupt schreiben muss?), dass kein Mensch so leiden muss, nur um seinem Partner zu gefallen. Darüber müssen wir gar nicht reden.
Ganz offensichtlich habt Ihr beide einen Weg gefunden, wie Ihr Deinen Wunsch nach einem besseren Leben und seine Affinität zu einer üppigen Frau unter einen Hut bekommt. Prima!

Und genau darum ging es mir bei meiner Fragestellung! Wie habt Ihr das geschafft?
Nein, bitte verstehe mich nicht falsch! Ich habe nicht die Frechheit, Dich hier um einen detaillierten Bericht zu bitten.
Grundpfeiler Eures Weges mit gutem Ausgang waren Rücksicht, Vertrauen, Empathie, etc. und bestimmt auch Verzicht.
Eigentlich habe ich mir damit meine Frage schon selber beantwortet. Nur ganz nebenbei, das war mir auch schon klar, bevor ich diesen Thread begonnen habe.
Trotzdem, möglicherweise gab es auf Eurem Weg Erleichterungen, Hilfestellungen, die über die üblichen Merkmale einer gesunden Beziehung hinausgehen?
Aber hey, nochmal, ich erwarte da keine konkrete Antwort. Mir ist auch klar, dass das eine sehr persönliche Sache sein kann, die man hier nicht breittreten möchte.

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat Dein Partner so lange gewartet, nichts gesagt oder angedeutet, bis Dir von selber der Kragen geplatzt ist und Du beschlossen hast etwas zu ändern. Das hat für Euch sehr gut funktioniert.

Das scheint in den Wortmeldungen hier auch grob der gängige Konsens zu sein.
Cool!
Point taken!
Danke 😊

Trotzdem, ganz ehrlich, wenn es gegen Ende so grenzwertig war wie bei Dir, massiver Verlust der Lebensqualität, gepaart mit vermutlich großen gesundheitlichen Risiken…
Ich weiß nicht, ob ich neben meiner Partnerin hätte stehen könnt, einem Menschen den ich liebe und der mir sehr viel bedeutet, mit den Händen in den Taschen und einfach abwarte ob sie sich selber vor großem Schaden bewahrt oder nicht.
Ganz sicher hätte ich das Thema, auch ungefragt, angeschnitten.
Und dann käme es auf ihre Reaktion an.

„Nein, ich möchte nicht darüber sprechen“
Ok, wird selbstverständlich akzeptiert. Dann muss ich damit leben.
Oder:
„Ja, stimmt, ich mache mir da auch Gedanken drüber…“
Ok, dann lass mich wissen, ob und wie ich Dich dabei unterstützen darf

Jeder muss das dann, wie Du sagst, für sich entscheiden wie man damit umgeht.


Vielleicht darf ich an dieser Stelle noch etwas Allgemeines zu dem von mir angerissenem Thema sagen:

Den Titel Gesund oder Geil habe ich bewusst reißerisch gewählt. Natürlich gibt es Abstufungen, Differenzierungen und eine andere Wortwahl. Die muss aber nicht krasser sein als meine und schon gar nicht wie die von Justme1955.

Habe ich in meinem ersten Post die Fragestellung bewusst einfach gehalten? Ja.
Das war ein Fehler.
Ich dachte fälschlicherweise, nachdem ich geschrieben habe, dass es sich dabei um eine Person handelt „die ich liebe“, dass damit zum Ausdruck kommt, dass es eben nicht nur um den BMI bei dieser Beziehung geht.
Aber ja, man kann das auf den BMI reduzieren und den Aspekt einer tiefen, innigen, wertvollen Beziehung mit allen dazugehörigen Attributen wie Empathie, Respekt, Toleranz, Rücksicht, Fürsorge, einfach Achtung vor seinem Partner, ausklammern. Muss man aber nicht. Bestimmt wäre es hilfreicher gewesen, ich hätte das mehr in den Vordergrund gestellt.

Würde ich meine Partnerin verlassen, wenn sie sich so oder so entscheidet? Natürlich nicht.

Ja, ich finde starke Frauen attraktiv. Und?
Wenn sich dadurch eine Frau, allein schon wegen dieser Aussage, auf ihr Äußeres reduziert fühlt, dann würde mir das leid tun und es wäre falsch.
Ebenso könnte ich mich auf nur diese eine Aussage reduziert fühlen, wenn nun jemand behauptet, das sei das Einzige, was mir in einer Partnerschaft wichtig wäre. Und auch das wäre falsch.
Andersrum: Es gibt einige Anzeigen, in denen Frauen sinngemäß schreiben: Bitte keine Männer unter 180cm, oder, Dick bin ich ja schon selber, also wünsche ich mir einen schlanken Partner.
Das sind alles legitime Präferenzen. Und es würde doch niemand, der nicht diesen Anforderungen entspricht, sich daraufhin nur auf sein Äußeres reduziert fühlen? Und falls doch, naja, ein bisschen ein dickes Fell muss man schon haben.
Würde ich mir es anders wünschen? Ja! Aber so stellt es sich eben in der Realität dar.

Ok, das hatte jetzt wenig direkt mit meinem Thema zu tun, ich schieb es nur, weil es weiter oben auch einmal angesprochen wurde.

Nochmals ganz lieben Dank an Tuppi Schleife, Danke für Deine Geschichte mit schönem Ausgang für alle Beteiligten. So soll es sein.

Auch herzlichen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben mir sinnvoll zu antworten. Und ich nehme einige Punkte die hier genannt worden sind gerne auf.

Beste Grüße
Thomas

Justme1955,
schräger Interpretationsversuch von Dir.
Offensichtlich findest Du es toll und cool in einem offenen Forum besonders aggressiv in Erscheinung zu treten.
Und um Deine Wortwahl zu bemühen, Du kannst davon ausgehen, dass ich das noch sehr viel drastischer bebildern könnte.
Aber vielleicht bist Du jemand, der seine Wortwahl nicht kontrollieren kann?
Thomas