Die Gelbwesten haben gewonnen Forum für Dicke

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"Der Soziologe Christophe Guilluy ist der Prophet der sozialen Spaltung Frankreichs. Dafür wurde er als Populist gescholten. Die Gelbwesten haben ihn wieder salonfähig gemacht. Jetzt warnt er, dass Deutschland dasselbe erleben könnte."

Ein lesenswertes Interview, welches die tiefen Verwerfungen der Demokratie aufzeigt, die inzwischen flächendeckend bestehen.

https://www.welt.de/politik/ausland/article184902842/Frankreich-Die-Gelbwesten-haben-den-Kulturkampf-gewonnen.html

EINE dieser sichtbaren Verwerfungen ist die Aufreibung des Mittelstandes, welcher nicht nur Deutschland jahrzehntelang wirtschaftlich trug sondern auch Europa stabilisierte. Keiner aus diesem Mittelstand hat je Millionen verdient.

"Die unteren und mittleren Gesellschaftsschichten wollen nicht betteln gehen. Sie geben sich nicht mit neuen Sozialleistungen oder einem bedingungslosen Grundeinkommen zufrieden. Sie wollen nur eins: gerecht bezahlt werden und würdig von ihrer Arbeit leben."

Sozialer Sprengstoff völlig neuer Art, sichtbar geworden durch die "gelben Westen" und ausgeflaggt Menschen wie Christophe Guilluy.

Ein gutes Buch zu diesem Thema:

"Warum schweigen die Lämmer" von Rainer Mausfeld

"In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Demokratie in einer beispiellosen Weise ausgehöhlt. Demokratie wurde durch die Illusion von Demokratie ersetzt, die freie öffentliche Debatte durch ein Meinungs- und Empörungsmanagement, das Leitideal des mündigen Bürgers durch das des politisch apathischen Konsumenten. Wahlen spielen mittlerweile für grundlegende politische Fragen praktisch keine Rolle mehr. Die wichtigen politischen Entscheidungen werden von politisch-ökonomischen Gruppierungen getroffen, die weder demokratisch legitimiert noch demokratisch rechenschaftspflichtig sind. Die destruktiven ökologischen, sozialen und psychischen Folgen dieser Form der Elitenherrschaft bedrohen immer mehr unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen."

https://www.amazon.de/dp/3864892252
@Kurvendriver

"Ein lesenswertes Interview, welches die tiefen Verwerfungen der Demokratie aufzeigt, die inzwischen flächendeckend bestehen."

Lesenswert und inhaltlich aus meiner Sicht durchaus auch nachdenkenswert. Aufzeigen tut das Interview aber leider nicht viel. Es stellt lediglich eine diskutable Behauptung in den Raum, ohne diese jedoch irgendwie mit Argumenten zu füllen: ""Die Linke glaubt, dass es sich einzig und allein um eine soziale Frage handelt, die Rechte reduziert alles auf eine Identitätskrise. Beide täuschen sich. Was die Sache in Frankreich noch komplizierter macht, das ist die tief verankerte Reproduktion einer Staatselite, die ein konformistisches Denken reproduziert."

Im Prinzip reduziert Guilluy ein vielschichtiges Problem auf die Reproduktion konformistischen Denkens durch eine Staatselite. Die soziale Frage, die viele Gelbwesten auf die Straße treibt, wird negiert und (bewusst?) für rechte wie linke Anliegen Interpretationsspielraum geschaffen. Was und wen er als Elite bezeichnet ,bleibt weitgehend im Dunkeln, was gerade bei deutschen Lesern zu falschen Schlüssen führen kann. Denn anders als in Deutschland, gibt es dort eine viel enger definierte politische Elite:
https://www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/frankreich-emmanuel-macron-elite-grandes-ecoles-front-national-praesidentschaftswahl
Und was ist denn bitte das von Guilluy erwähnte, aber nicht konkret definierte konformistische Denken? Das eher von Linken beklagte wirtschaftsliberale Denken, das den Staat aus der Wirtschaft heraushalten will? Das linksliberale Denken, das klassische Nationalstaatlichkeit zugunsten von Weltoffenheit reduzieren will? Ist es das politisch Korrekte und die Gender-Sprache, die Neu-Rechten weltweit als politische Umerziehung geißeln?
Nicht auszuschließen, dass es auch an der Interviewführung lag, aber ein Soziologe, der beim Kern seiner eigentlichen Aussage derart inhaltlos bleibt, macht mich grundsätzlich skeptisch - auch weil sich in der Elitenthematik für meinen Geschmack zu viele Querfrontler tummeln.

"Ein gutes Buch zu diesem Thema:

"Warum schweigen die Lämmer" von Rainer Mausfeld"

Man muss Mausfelds Buch nicht bei Amazon bestellen. Es gibt einige Videos von seinen Vorträgen, bzw. von seiner Buchtour, die Aufschluss über seine Thesen geben.
Auch Mausfeld ist für mich einer dieser problematischen Grenzgänger, der zwar durchaus nachdenkenswerte Thesen aufstellt, sich dabei auch auf wissenschaftliche Fakten bezieht, aber an entscheidenden Stellen so unkonkret oder verallgemeinernd bleibt, dass ich persönlich es für unseriös erachte. Bei Mausfeld ist es u.a., dass er das Bild von einer in sich geschlossenen, weitgehend einem einheitlichen Interesse folgenden Elite zeichnet. Auch Mausfeld eröffnet damit Spielraum für linke wie rechte Elitenkritiker und tummelt sich mit seinen Auftritten und seinen Büchern auch bei den oftmals verschwörungstheoretischen Querfrontlern - nicht umsonst hat er sein Buch bei KenFM vorgestellt, das natürlich auch über den Kopp-Verlag bezogen werden kann.
Für mich persönlich disqualifiziert er sich damit selbst als seriöse Quelle.
Ich wünsche den Gelbwesten das sie den in unseren Medien hochgejubelten Macron aus dem Amt jagen;-)
Und das so eine Bewegung auch mal nach Deutschland Überschwappt.
Weder Links noch Rechts ein Volk was sich nicht mehr spalten lässt und einfach nur zusammen hält.
@markus10

"Weder Links noch Rechts ein Volk was sich nicht mehr spalten lässt und einfach nur zusammen hält."

So sehr ich es auch begüßen würde, wenn Unterschicht und untere Mittelschicht gemeinsam für ihre politischen Interessen eintreten und ein Gegengewicht zum allgegenwärtigen Neoliberalismus herstellen würden, halte ich dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt für problematisch, da eine solche Bewegung leicht ungewollt für die Destabilisierung der Demokratie missbraucht werden kann.

Ob bewusst oder unbewusst, macht Ihr Beitrag dieses Problem auch ein Stückweit deutlich.
Mehr noch als in Deutschland, machte sich in Frankreich links und rechts an wirtschafts- und sozialpolitischen Positionen fest. Ähnlich wie mittlerweile in Deutschland auch die AfD, hat in Frankreich die Front National (mittlerweile Rassemblement National) diese politischen Muster zu relativieren begonnen. Beide Parteien waren, bzw. sind im Kern wirtschaftsliberal, haben sich jedoch einen nationalsozialen Anstrich verpasst und versuchen die Bedeutung von rechts und links zu verwischen - nicht zuletzt, um das Image als Rechte loszuwerden, ohne klassiche rechte Positionen aufgeben zu müssen.
Das Motto der Front National zeigt recht gut, wie Nationalismus salonfähig gemacht werden soll: "Weder rechts noch links – französisch!"

Entsprechend die Frage an Sie, die Sie ja hier eine ähnliche Losung ausgeben: Wer genau ist denn das Volk, das weder links noch rechts ist und sich nicht spalten lässt? Sind das nur sogenannte Biodeutsche oder auch sogenannte Passdeutsche? Und was ist mit Nicht-Deutschen, die hier teils schon sehr lange leben? Dürfen die auch Teil von irgendwas sein?
Und wäre man da nicht schon bei der Frage angelangt, ob die Bewegung dann weltoffen und somit tendenziell links oder nationalistisch und somit rechts sein soll?

"Ich wünsche den Gelbwesten das sie den in unseren Medien hochgejubelten Macron aus dem Amt jagen;-)
Und das so eine Bewegung auch mal nach Deutschland Überschwappt. "

Macron steht in Frankreich wegen sozial- und wirtschaftspolitischer Fragen im Kreuzfeuer der Kritik. Wen würden Sie hier in Deutschland denn aus dem Amt jagen wollen und mit welcher politischen Begründung?