EM-Rente, was nun?

in „Rundum Leben“

Zu diesem Thema gibt es sieben Antworten

„Hennef“ (Anonymer Beitrag)

In den nächsten Wochen werde ich aufgrund voller Erwerbsminderung mit 52 in Rente sein.

Habe etwas Angst davor, gibt es hier ebenfalls Betroffene und wie seid ihr mit der Situation umgegangen?

„Weinstadt“ (Anonymer Beitrag)

Hallo!
Ich bin 2023 auch unplanmäßig mit 55 in EM-Rente gegangen. Davor hatte ich das Krankengeld ausgereizt, es gab/gibt aber keine Besserung. Leider bin ich auch nicht mehr sonderlich mobil, die Umstellung war also extrem. Man muss sich einfach alles positive aus diesem Chaos rauspicken und sich für jeden Tag ein kleines Highlight machen. Glücklicherweise bin ich ein sehr positiver Mensch und kann gut damit umgehen. Ich drücke dir die Daumen, dass du dich schnell mit dem veränderten Leben arrangierst.

„Langen“ (Anonymer Beitrag)

Ich bin seit 2018 in Erwerbsminderungsrente. Bzw ab 2020. Ab 2018 rückwirkend teilweise.
Ich bin auch aus einem Power Leben in einen Zustand von tgl Schmerzen und Depressionen katapultiert worden.
Es hat lange gedauert, dies für mich wirklich anzunehmen. Gerade, weil ich extrem vieles nicht mehr kann.
"Radikale Akzeptanz " ist ein Prozess, dem man schrittweise näher kommen kann. Aber tgl Schmerzen und Beschwerden machen das nicht einfach.
Die Pandemie Zeit war für mich nicht so schwer, weil eigentlich alle sehr "reduziert" leben mußten. Irgendwie so, wie in meinem Rentnerleben....

Ich habe noch Glück, daß ich als Frau 35 Jahre voll gearbeitet habe plus Betriebsrente. So komme ich finanziell gut über die Runden.

Es gibt bessere Phasen und schlechte.

Aber das Arbeiten an sich habe ich nie vermisst 😉

„Steinhagen“ (Anonymer Beitrag)

Ich wurde nach schwerer Krankheit plötzlich mit Mitte 40 EU-Rentnerin.
Das war ein schwerer Schock für mich.
Denn ich fühlte mich trotzdem irgendwie nicht so krank, wie ich wirklich war und wollte es auch nicht wahrhaben.
Zuerst fiel ich in schlimme Depressionen, dann kamen auch noch "1000" anderen Baustellen dazu.

Ich musste wahnsinnig viel Geduld aufbringen, obwohl ich eigentlich kein geduldiger Mensch war. Aber mann kann es lernen.
Und nachdem ich auch schon immer ein "Steh-Auf-Männchen" war, ging es langsam immr weiter Bergauf.

Jetzt nach über 10 Jahren fält es mir immer noch an manchen Tagen schwer, diese Situation zu akzeptieren.
Leider sind die Depressionen geblieben, auch die Baustellen haben sich reduziert.

Wenn mich damals jemand gefragt hätte, ob ich immer gerne arbeiten gehen würde, hätte ich ihn ausgelacht.
Heute denke ich ganz anders datüber, ich würde gerne wieder Arbeiten gehen und wenn es nur 1 oder 2 Tage in der Woche wären.

Was mich auserdem sehr einschränkte, war die Höhe der Rente.
Aber auch da habe ich gelernt, damit gut umzugehen.

Ich wünsche Dir viel Glück, dass du positiv über diese Entscheidung denken kanst.
Suche Dir nach Möglichkeit ein Hobby und vernachlässige deine Familie und Freunde nicht.
Einsamkeit kann ganz schnell noch kränker machen!

„Hennef“ (Anonymer Beitrag)

Danke für eure Worte. Jetzt sehe ich das ganze etwas gelassener.
Eine Aufgabe suche ich noch, die ich tun kann und will.
Bei mir sind es auch Depressionen wegen denen ich nicht mehr arbeiten kann.

„Espelkamp“ (Anonymer Beitrag)

Ich war 51 Jahre alt, als mich eine erneute Depression für die maximale Dauer des Krankengeldbezuges endgültig außer Gefecht gesetzt hat. Mir blieb danach also keine andere Wahl, als eine EM-Rente zu beantragen. Aufgrund früherer Zeiten von Arbeitsunfähigkeiten und mehrerer Klinikaufenthalte erfolgte die Bewilligung relativ zeitnah und unproblematisch. Die zunächst erfolgte Befristung wurde in eine Dauerrente umgewandelt.

Ich war immer ein Arbeitstier und bin auch trotz Dauerstress und Ärger immer gerne arbeiten gegangen. Es hat mich verdammt hart getroffen, nicht mehr zu "funktionieren". Ein bisschen hadere ich da auch heute noch mit. Wobei ich aber nach all den Jahren auch weiß, dass ich einen halbwegs normalen Arbeitstag niemals durchstehen würde.

Finanziell kann ich auch nicht klagen, da ich immer gut vedient habe und auch eine Betriebsrente bekomme. Ich habe mich in den letzten Jahren aber leider auch ziemlich zurückgezogen. Freundschaften und sonstige soziale Kontakte sind da fast gänzlich auf der Strecke geblieben.

Seit kurzem bemühe ich mich, das zu ändern und mich wieder ein bisschen mehr unters Volk zu mischen. Das wird nicht leicht werden, aus der Isolation herauszukommen. Aber vor ein paar Tagen habe ich zum ersten mal eine Selbsthilfegruppe in der Nähe besucht. Ein Anfang ist also gemacht. Mal schauen, was ich vielleicht sonst noch so auf die Beine stellen kann.

Ich kann @Steinhagen nur voll und ganz zustimmen, versuche auf jeden Fall dir Freundschaften und Kontakte zu erhalten und dein Leben nicht gänzlich der Depression zu überlassen. Auch wenn es manchmal schwer fällt, ich denke wir sind alle noch zu jung, um uns in ein Schicksal zu ergeben, welches sich niemand ausgesucht hat.

Ich wünsche dir und auch allen anderen Betroffenen, alles Gute und haltet die Ohren steif.

„Hennef“ (Anonymer Beitrag)

Irgendwie erschreckend.... das mit dem immer arbeiten und immer mehr und immer ja sagen scheint wohl häufig zu Depressionen und EM zu führen.
War bei mir genauso, damit ich wieder Sozialkontakte habe gehe ich ebenfalls in eine Selbsthilfegruppe. Hoffe es geht dann zumindest da aufwärts.

„Espelkamp“ (Anonymer Beitrag)

Ich finde die Entwicklung hier auch sehr erschreckend. Die Zahl der Krankentage und auch die Anträge auf EM-Rente bei Depressionen sind in den letzten Jahren signifikant gestiegen. Und ich befürchte, ein Ende ist hier auch wohl erstmal nicht in Sicht.

Ich baue jetzt auch ein wenig auf die Selbsthilfegruppe und dass sich daraus vielleicht ja auch Kontakte für anderweitige Unternehmungen ergeben. Ansonsten ergeben sich hoffentlich noch andere Alternativen im Rahmen meiner Möglichkeiten. Zumindest ist man schon mal unter Gleichgesnnten und muss sich nicht andauernd rechtfertigen und erklären. Das habe ich persönlich bei Dritten immer als sehr anstrengend und auch deprimierend empfunden. Auch wenn zumindest versucht wurde, mich irgendwie zu verstehen. Der Umgang und das ganze Miteinander ist doch anders.