Sind wir eigentlich wirklich mit uns im Reinen?

in „Rundum Leben“

Zu diesem Thema gibt es acht Antworten

Ich sitze gerade mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse und irgendwie schwirrt mir seit Tagen eine Frage im Kopf herum: Wir sind hier auf Rubensfan. Also auf einer Plattform, auf der kurvige Frauen ausdrücklich nicht nur akzeptiert, sondern sogar gesucht werden. Eigentlich eine schöne Vorstellung. Trotzdem frage ich mich, ob wir Frauen wirklich mit unserem Körper im Reinen sind.

Hand aufs Herz... wenn Ihr morgen früh aufwachen würdet und ganz ohne Diät, Sport oder Verzicht plötzlich 20 oder 30 Kilo weniger hättet – würdet Ihr sagen: "Nein danke, ich möchte lieber so bleiben wie ich bin."? Oder würdet Ihr lächeln und denken: "Eigentlich fühlt sich das ganz gut an." - Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich glaube nämlich, dass zwischen Selbstliebe und Selbstakzeptanz ein kleiner Unterschied liegt. Man kann sich mögen und trotzdem Dinge an sich verändern wollen.

Und dann frage ich mich noch etwas:

Warum scheint hier so oft das Bild "kurvige Frau – schlanker Mann" aufzutauchen? Wie erleben das eigentlich die Männer, die selbst deutlich mehr auf die Waage bringen? Sind Rubensmänner genauso gefragt wie Rubensfrauen oder gelten am Ende doch unterschiedliche Maßstäbe?

Was mir außerdem aufgefallen ist, sind die Nachrichten:

Geht es nur mir so oder gibt es tatsächlich Männer, die glauben, dicke Frauen seien leichter zu erobern? Nach dem Motto: "Die wird schon nicht so wählerisch sein..."

Manchmal lese ich eine Nachricht und denke mir: Wie kommt man auf die Idee, genau dieses Foto als erstes zu verschicken? Da ist mehr Mut als fotografisches Talent dabei. 😄 Und dann gibt es noch die andere Sorte. Erst überschäumend freundlich und zwei Minuten später beleidigt, wenn Frau höflich absagt oder einfach nicht so reagiert, wie er es sich vorgestellt hat. Mich persönlich bringt das nicht aus der Ruhe. Ich finde es eher erstaunlich, wie schnell aus Charme plötzlich schlechte Kinderstube werden kann.

Und dann ist da noch dieses ganz banale Thema Kleidung.

Geht Ihr eigentlich gern einkaufen? Oder ist das eher Frust als Freude? Findet Ihr schöne Sachen oder habt Ihr manchmal auch das Gefühl, dass Mode für kurvige Frauen entweder aussieht wie Gardine oder aussieht, als müsste man dafür im Lotto gewonnen haben?

@Helene, man kann das Beste aus einer Situation machen, wenn sie nicht oder nur mit viel Glück und maximalem Aufwand zu ändern ist. Dann lebe ich mit meinem Körper, wie er ist, ich pflege ihn und mag ihn auch. Ich bin mit ihm „im Reinen“. Trotzdem würde ich sehr gerne mit demselben Körper, nur 30 kg leichter, morgens aufwachen.
Zum Beispiel wegen deines letzten Punktes - schönere Klamotten und mal tolle Schuhe… 🤷🏼‍♀️

Und was die Männer, also Thema „runde Frau - schlanker Mann, auch umgekehrt?“ angeht: Ich denke, meine Sozialisation in unserer Gesellschaft brachte mit sich, dass Frauen mehr mit ihrer Optik punkten mussten und Männer mit ihrem Status. Die Optik richtet sich wiederum an der Prägung durch Familie und Medien aus, was mittlerweile auch Männer in ihren Sog zieht. Nur halt nicht so ausgeprägt. Für mich persönlich kann ich sagen, dass der Inhalt mir immer wichtiger war als die Verpackung. Schön und klug ist natürlich das „Ultrus pultrus“… 😀

"Hand aufs Herz... wenn Ihr morgen früh aufwachen würdet und ganz ohne Diät, Sport oder Verzicht plötzlich 20 oder 30 Kilo weniger hättet – würdet Ihr sagen: "Nein danke, ich möchte lieber so bleiben wie ich bin."? Oder würdet Ihr lächeln und denken: "Eigentlich fühlt sich das ganz gut an." - Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich glaube nämlich, dass zwischen Selbstliebe und Selbstakzeptanz ein kleiner Unterschied liegt. Man kann sich mögen und trotzdem Dinge an sich verändern wollen."


Kann ich mir auch andere Dinge wünschen? Oder NUR das?


"Geht Ihr eigentlich gern einkaufen?"

Nein, es ist furchtbar. Aber abgesehen davon kann man im regionalen Handel doch sowieso recht wenig einkaufen ab vielleicht Größe 50(?)

@PeppermintPatty

Ich glaube, genau das ist der Punkt. Man kann sich mögen und trotzdem denken: Ach, ein paar Kilo weniger wären manchmal schon ganz praktisch. 😊 Mir geht's da ähnlich. Ich mag mich eigentlich so, wie ich bin. Aber ich merke eben auch, dass mit Anfang fünfzig manches nicht mehr ganz so leicht ist wie mit dreißig. Das ist wahrscheinlich einfach das Leben.

Was mich manchmal mehr nervt als die Kilos selbst, ist tatsächlich das Einkaufen. Früher bin ich gerne durch die Geschäfte gebummelt. Heute weiß ich oft schon vorher, dass ich am Ende doch wieder online bestelle. Es gibt zwar mittlerweile viel mehr Auswahl als früher, aber vieles sieht entweder aus wie "Sack mit Ärmeln" oder ist einfach nicht mein Stil. Und bei Schuhen... na ja. Hohe Absätze finde ich immer noch schön. Aber nach einer Stunde denke ich meistens: War eine nette Idee... 😄 Dann ziehe ich doch lieber etwas an, womit ich den ganzen Tag gut unterwegs bin. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir meine Kilos aber auch ein Stück weit selbst angefuttert. Nicht aus Frust, sondern mit Genuss. Ich esse einfach gerne. Ein schönes Essen mit Freunden, ein gutes Glas Wein, der selbstgebackene Kuchen von Mama oder ein Eis im Urlaub – das sind für mich Lebensfreude. Und ganz ehrlich? Auf diese Momente möchte ich rückblickend nicht verzichten.

Ein schönes Thema!

Helene, du greifst auch eine Frage auf, die ich mir schon sehr lang stelle: Gibt es auch Frauen, die auch extrem dicke Männer stehen? Ich persönlich mag es sehr, wenn am Mann etwas mehr dran ist. Aber extreme Fettleibigkeit mit sagen wir 180 oder 200kg finde ich beim Mann dagegen nicht erotisch - ich bin da auch ehrlich, selbst wenn der Mensch ein Herz aus Gold hätte, ich hätte ihn nicht gedatet. Einfach, weil mir da auch die sexuelle Anziehung fehlt. Vielleicht wäre das anders, wenn solch ein Mann in meinem Umfeld gewesen wäre und man sich über die Freundesschiene, ohne Dating-Hintergrund, kennengelernt hätte.
Aber ich habe meinen Mann, und den fand ich von Anfang an sehr anziehend. Auch mit etwas Bauch.

Zum Hauptthema: Ich hätte gar nix dagegen, wenn morgen 30 Kilo weg wären und nicht wieder kommen würden. Dabei mag ich die Weichheit meines Körpers.
Ich bin mir auch recht sicher, dass ich in den nächsten Jahren wieder ein paar Kilo verlieren werde. Das aber eher aus gesundheitlichen Gründen und nicht wegen der Optik oder Haptik. Schlank werde ich nie sein, ich halte für mich auch nichts von einer OP oder Spritze. Im Grunde weiß ich, wie ich gut und dauerhaft Gewicht reduzieren kann (habe ich vor einigen Jahren schon getan), aber es ist eben schwer, den Anfang zu finden.

Ich denke nicht, dass ich so ganz im Reinen bin mit meinem Körper - da gibt es ein paar Sachen, die bei anderen Exemplaren der Gattung besser gelöst wurden ;o) Das geht schon los wenn ich mir mal wieder einen Fingernagel einreiße, weil die einfach zu weich sind oder das Essen einer Ananas zu Ausschlag führt. Trotzdem mag ich meinen Körper (auch) so, wie er ist.

Ja, die Beobachtung, dass Männer denken, Dicke seien einfacher zu erobern, habe ich auch schon gemacht. Ich finde das manchmal echt witzig, welche Fotos da im Profil stehen oder geschickt werden - "kann er nicht ernst meinen!". Wahrscheinlich schicken die ihren Standardtext an hunderte Damen, ohne sich wirklich deren Profile durchzulesen - es wird sich schon eine erbarmen. Weißt ja, die Dicken gehen leichter her und freuen sich, wenn so ein Goldstück dann noch schreibt dass es ihn "nicht stört" wenn Frau ein "paar Pfunde" extra hat. Yeah. Hauptgewinn!

Thema Kleidung: Das wäre eine meiner "Ängste" beim oben angenommenen Besuch der Abnehmfee: Schade um die Klamotten! Wobei 20 Kilo noch nicht bedeuten würden, das halbe Ankleidezimmer wegpacken zu müssen. Aber das Shoppen offline hat für mich keinen Reiz. Kleidung finde ich nur sehr, sehr selten in Geschäften - oft reicht mir der Blick in die XXL-Abteilung und mir vergeht aufgrund von Schnitten und Farben eh die Lust, überhaupt noch nach Größenschildchen zu gucken. Bei Schuhen ähnlich - ich trage gern Gabor. Brauche da aber die 44. Also online.

Ich habe manchmal schon den Eindruck, dass es dicken Männern schwerer fällt einen Partner zu finden, egal, wie dieser beschaffen ist. Ich gehöre ja selbst zur Kategorie dickerer Mann und denke mir häufig schon, dass es der Grund ist, warum das Dating nicht so wirklich läuft. Das oder es liegt an meinem wallenden Haar. ;) Und ja, sobald ich mich wieder ein wenig mehr mag, mache ich auch neue Bilder. Aber im Ernst, ich war auch 15 Jahre weg vom Datingmarkt und der Kulturschock ist und war groß, aber es ist ein wenig so wie in der Jobsuche: Wenn man nur Absagen bekommen, ohne dass es einen Hinweis gibt, warum man nicht der Richtige für die Stelle ist, dann gehen die Gedanken alle in ganz seltsame Richtungen und mit diesen ist man(n) dann alleine.

Mein Eindruck war so um 2005 und Folgejahre, dass das Dating da noch ein wenig leichter war (vielleicht ist das aber auch eine Form von Erinnerungsoptimismus). Habe da auch nicht direkt die große Liebe gefunden, aber sehr tiefe und anhaltende Freundschaften oder mal ein paar Wochen nettes schreiben. Das habe ich seit letzten Herbst nicht mehr so erlebt.

Und ja, auch ich wäre morgen gerne 20 Kilo oder mehr schlanker. Ich bin mir nur sehr sicher, dass ich dann was anderes finde, was ich blöd find.

Ich finde das Thema zu weit gefasst.
Mal vorweg: Ich bin eine von denen die dicke Männer attraktiv und anziehend finden. Ja, auch und gerade sehr dicke Männer. Und ja, ich hatte auch schon einen Partner im 180 - 200 kg Bereich. Ich mag aber auch sehr schlanke Männer, also Männer, die man so klassisch einen "Lauch" nennt, oder eher androgyne Männer.
Beide Körperformen und gerade die dicken Männer werden in diesem Umfeld hier eher diskriminierend behandelt, so mein Empfinden.
Das geht so weit, dass bei Ü100 Partys der bezahlte, halbnackte, normschöne Muckimann für gemeinsame Bilder zur Verfügung stand. Nicht cool.


Was das allerdings damit zu tun haben soll, ob ICH mit mir im Reinen bin erschließt sich mir nicht. Auch nicht, warum das an meinen Kilos gemessen wird? Nicht an meinem Umgang mit der Welt, meinen Ansichten, meinem Wissen, meinen Beziehungen? Nö, es hängt offenbar an einem Brocken Fett.

Als jemand die in jungen Jahren binnen sehr kurzer Zeit 50 kg abgenommen hat und sich dann Mitte 20 plötzlich eher überraschend in einem praktisch schlanken Körper wiederfand, kann ich sagen, dass das eine der härtesten Zeiten meines Lebens war und ich mich in meinem Körper nicht mehr zuhause fühlte und auch erschrocken darüber war, dass Menschen z.b. plötzlich in meiner Gegenwart über Dicke auf eine Art ablästerten, die ich nicht für möglich gehalten hätte.
Komischerweise fragt aber keiner Menschen, die abgenommen haben, ob sie jetzt mehr mit sich und der Welt im Reinen sind und das gefälligst jeden Tag gleich? Als ob nur das Gewicht darüber entscheiden würde. Ist ja nicht so, als gäbe es psychische oder körperliche Erkrankungen nicht auch bei Schlanken, Depression, Essstörungen... Also wenn es so einfach wäre...
Solange es keine wirklich nachhaltige und gesunde Form für alle gibt Gewicht zu verlieren und dann zu halten, finde ich die Frage müßig und geradezu blödsinnig.
Fragt ihr auch Menschen mit Brille oder meinetwegen auch Behinderungen, ob sie wirklich mit sich im Reinen sind oder nur so tun?
Die Frage ist im Kern einfach fettphob, weil sie Menschen auf ihr Körpergewicht und Äusseres reduziert. Punkt.
Mich nervt allein schon das 'wir' in der Frage. Kennst du einen dicken Menschen, kennst du genau einen dicken Menschen. 'Wir' sind nicht alle gleich.
Es gibt an mir so viel Interessantes, das Gewicht ist eigentlich mit das Uninteressanteste an mir.
Natürlich suche ich mir Männer, die darauf abfahren, denn es wird sich nichts signifikant daran ändern. Aber auch da gilt: Das ist nur Grundvoraussetzung. Ein Mann muss schon deutlich mehr bieten als nur auf runde Frauen zu stehen, das ist keine Leistung von ihm, sondern Veranlagung und mit die am wenigsten interessante Eigenschaft an ihm für mich.

Unheimlich gerne auch 50 kg schlanker. Ich hänge überhaupt nicht an meinem Speck.
Wobei ich mit mir und meinem Körper immer gut klar kam. Der Spruch: "Ich will garnicht raus aus meiner Haut, wo sollte ich auch sonst hin? " stimmt für mich schon. Ich bin gerne "ICH" , aber wäre wirklich gerne wieder leichter.
Ich kaufe Kleidung überwiegend Online und bevorzugt gebraucht. Ich kleide mich gerne gut, (meinem Empfinden nach) fröhlich und bunt und der Gelegenheit entsprechend. Habe zugegeben einen Klamotten-Tick und dadurch sehr volle Schränke!
Nur 2 meiner Lebensbegleiter waren "Bauchträger" aber trotzdem deutlich leichter als ich. Ein "Schwergewicht" fand ich menschlich mal richtig interessant, aber seine Krankengeschichte hat mich dann doch abgeschreckt. Andere haben aus anderen Gründen nicht zu mir gepasst.