Sind wir nicht mehr fähig, Probleme in der Beziehung zu beseitigen ohne dem K.O?

in „Rundum Leben“

Zu diesem Thema gibt es 79 Antworten

Wie schon in der Überschrift zu lesen, beobachte ich in sehr vielen Beiträgen, das sehr schnell in schwierigen Situationen, ein Schlusstrich für die Beziehung gezogen wird.
Wo man früher noch versucht hat zu reden, Probleme zu beseitigen, und auch wenn es schwere Zeiten werden, trotzdem zueinander zu stehen, wird offensichtlich heute schnell das Kapitel beendet.
Bilde ich mir das nur ein, oder ist die Gesellschaft nicht mehr bereit, Beziehungen zu halten, schwere Zeiten gemeinsam zu Meistern, auch wenn es mal weh tut.
Für mich beängstigend, wenn man hier intensiv im Forum liest, das selbst langjährige Beziehungen ohne wenn und aber, beendet werden. Knall hart, weg.
Ist es die macht des Internets, das man keine, oder nurnoch wenige, bis seltene, Kompromisse eingeht?

Und da es wohl hier so üblich wird:
Jegliche Fragestellungen, oder Andeutungen, oder Meihnungen sind frei ausgedacht, entsprechen keinem gewollten vergleich anwesender Personen, und stehen in keinster Weise in einem Realen Zusammenhang!

„Walsrode“ (Pseudonym)

Heute hat man Freiheiten die man früher nicht hatte und damals viele das Ehejoch zähneknirschend ertragen haben. Wegen der Nachbarn, der Religion, des Geldes wegen.

Besonders dadurch das Frauen heute nicht mehr vom Einkommen des Alleinverdieners abhängig sind und der Einfluss der Kirchen und ihre Moralvorstellungen in der Gesellschaft rückläufig sind, haben wir alle viel Freiheit gegenüber der verlogenen Miefigkeit vergangener Jahrzehnte gewonnen.

Hat also weniger mit dem Internet, als vielmehr mit der Freiheit, Gleichstellung und Entfaltung der Individiualität/Persönlichkeit zu tun.

Finde ich gut.

„Geilenkirchen“ (Pseudonym)

Gefällt mir, Feucht v.L.! Ich wollte gerade was ähnliches schreiben. Aber dem ist nichts hinzuzufügen.

„Lilienthal“ (Pseudonym)

Ich glaube, der upgrading Gedanke beherrscht viele. Wenn du nicht so bist, wie ich will, finde ich was besseres. Es geht ja hier schon los. Ein paar mal geschrieben und dann evtl nicht das, was das Gegenüber lesen möchte und schon ist er im Nirvana verschwunden - sind ja noch genügend andere Frauen die warten und evtl noch größere Brüste, nen prallerem Po usw haben.
Früher hat die Not, die Moral, die Gesellschaft und die Religion die Menschen mehr verbunden - nicht immer im Guten, aber man war gezwungen, Dinge (hoffentlich partiell) besser auszuhalten.
Meine Eltern waren über 50 Jahre verheiratet und ich kann mich durchaus an Zeiten erinnern, in denen es nicht mal ein Guten Morgen zwischen den beiden gab. Mein Vater meinte später mal, das wäre ihre Art der Trennung gewesen - wichtig war nur, dass man sich irgendwann wieder findet und das haben sie immer geschafft. Am Ende sehr liebevoll, da man auch gegenseitig gepflegt hat.
Uns wird täglich durch die Medien signalisiert, dass Zufriedenheit nicht ausreichend ist, dass immer noch etwas mehr möglich ist und ich glaube, das hat sich auch in Partnerschaften mittlerweile breit gemacht. Kämpfen will doch keiner mehr und Frauen, die sich ohne Probleme auf gebundene Männer einlassen, eben in dem Wissen, dass er als warmwechsler bereits was Neues sucht, gibt's auch genügend. Das gleiche gilt natürlich auch für Männer. Wer hat denn noch Respekt vor der Ehe, wem bedeuten langjährige Beziehungen noch etwas? Alles austauschbar und ohne Probleme wieder zu finden ...

„Walsrode“ (Pseudonym)

Ich muss keinen Respekt vor der Institution Ehe haben. Respekt habe ich vor Menschen. Wenn es daran mangelt scheitern Ehen. Und zum Glück muss man heute diese gescheiterten Beziehungen nicht mehr weiterfuehren. Wer wirklich denkt eine Liebe scheitert daran das man lieber auf den nächsten prallen Hintern setzt, hat meiner Meinung nach eine etwas merkwuerdige Vorstellung von Beziehung, ob mit Trauschein oder ohne.

„Voerde“ (Pseudonym)

Ich stimme dir ja selten zu, aber bei dem Statement bin ich bei dir FvL. :)

„Buxtehude“ (Pseudonym)

FvL hat dieses Phänomen richtig gut umrissen und sieht es für sich persönlich als positiv an.
Tatsächlich bringt dies auch für viele eine Menge an Vorzügen mit sich bei der Gestaltung der Lebensform, der Partnerwahl oder die Frage wann und wie viel Kinder bekomme ich. usw.
Dazu habe ich eine interessante Untersuchung gefunden.
http://www.eaf-bund.de/documents/Paare_Navipunkte/Studie_Heidelberger_Leben.Trendmonito_2011_final.pdf
So weit diese Veränderungen in der Gesellschaft für den Einzelnen durchaus positive Faktoren aufweist, ist es für die Gesellschaft als Ganzes ein Problem. Da der Erhalt und der Zusammenhalt sowie die Reproduktion der Gesellschaft in gewisser Weise abhängig ist von dem Bestand der jeweiligen Familienordnung der Gesellschaft.
Sowohl Scheidungsraten - wie sinkende Geburtenraten zeugen ebenso davon, wie sich die Art des partnerschaftlichen Zusammenlebens in den letzten 70 Jahren erheblich gewandelt hat.
Auch hierin zeigt ein Stück weit die Krisenhaftigkeit der bestehenden Gesellschaftsform.

Ich sehe es eher wie Feucht von Lipwig.
Jeder Mensch strebt doch danach glücklich zu sein. Und nicht immer sind Probleme in Partnerschaften lösbar. Wenn sich beide Parteien in andere Richtungen entwickeln und die Beziehung irgendwann nur noch ein Kompromiss ist, weil das schließlich von der Gesellschaft, der Kirche, der finanziellen Lage usw. gewollt wird, dann hat diese Bindung doch keine Qualität mehr.

Wenn erst einer der Partner oder beide festgestellt haben, dass das, was man vermisst, außerhalb der Beziehung zu finden ist, wird man sich früher oder später fragen müssen, ob man weiterhin das Leben "erträgt" oder sich zu dem bekennt, was man eigentlich möchte und sich von dem Partner trennt.

Höhen und Tiefen zu überwinden ist das eine.
Aber an einer gescheiterten Beziehung ohne Respekt mit allen Mitteln festzuhalten und dabei das eigene Glück aus den Augen zu verlieren, halte ich für Selbstbetrug und Selbstverletzung.

Es gibt genug Paare, die auch nach vielen Jahren noch glücklich sind und die sich gemeinsam entwickelt haben und zusammen gewachsen sind.
Aber die Beziehungen, in denen das nicht der Fall ist, sollte man ernsthaft überdenken.
Nicht immer kann man Probleme mit Reden aus der Welt schaffen.

„Geilenkirchen“ (Pseudonym)

Delta der Venus, den letzten Satz würde ich in Frage stellen. So einfach kann man einen Menschen den einmal geliebt hat nicht austauschen.
Ich würde behaupten, dass zBsp Frauen, die sich einen gebundenen Mann angeln und dann versuchen in die Fussstapfen der früheren Frau zu treten, sich oft selber keinen Gefallen tun.
Denn meiner Ansicht nach müssen sie immer mit der Angst leben selber ausgetauscht zu werden.
Meist wiederholen sich alte Beziehungsmuster einfach nur.
Wenn man nicht an ihnen arbeitet sondern einfach nur einen neuen, pralleren Popo anpeilt.
Ausnahmen gibt es natürlich, wie überall.

„Neusäß“ (Pseudonym)

Ein Papier beurkundet nur eine Ehe.....mit rechtlichen Privilegien und auch Pflichten und Verbindlichkeiten.
Den Inhalt einer Beziehung gestalten Paare selber.

Und nur weil man "zusammen bleibt" hat diese Ehe/Beziehung noch lange kein erstrebenswertes Ideal, daß mit Zufriedenheit und positiver Zweisamkeit "gefüllt" ist. Die Länge einer Beziehung ist kein Garant für eine "gute"Beziehung.
Manche sind auch einfach nur zu feige oder bequem für eine Trennung.
Wer liebt, steht für seinen Partner auch in Not ein. Aber nicht bis oder über die "Selbstaufgabe".
Das hat nichts mit Liebe zu tun.

Und ein Partner ist auch nie für das Glück des anderen "zuständig".

Ich bin nur heil froh, daß es heutzutage mgl ist, sich frei zu entscheiden, wie und mit wem man sein Leben verbringen will.....und eben auch gehen kann. Lebensabschnittsgefährten halt.

Ich wäre mit meinem ersten Partner in meinem Leben ( den ich in der Generation vor mir noch hätte heiraten müssen), heute tot unglücklich....oder im Knast, weil ich ihn erschlagen hätte, wenn er mir im Suff mal wieder den letzten Nerv geraubt hat, lach.
Hmm, nee...stop.... den aller ersten müßte ich wohl bis heute noch finanzieren und durchs Leben "schleppen", hilfe.

Habt ihr euch mal Gedanken gemacht, was es über die Qualität einer Beziehung aussagt, wenn sich ein vergebener Mann von einer anderen Frau "angeln" lässt?

Das sagt doch so ziemlich alles. Es ist einfach, immer nur die eine Seite der Medaille anzustarren. Aber manchmal stehen auch Daten und Fakten auf der Rückseite.

@dagmar
Wieder ein toller Beitrag. In den meisten deiner Beiträge finde ich meine Gedanken 1 zu 1 wieder.

„Geilenkirchen“ (Pseudonym)

Dirk1970 vielleicht bist du eine Ausnahme.

Aber wenn Frau heute einen erfolgreichen, gut aussehenden Mann hat, kommen die Anwärterinnen nur so heranngewuselt, genau so wenn Mann eine tolle Frau hat.
Und wenn man da kein Bewusstsein entwickelt, dass man sich in schwierigen Zeiten nicht einfach nur ablenken kann,sondern halt auch mal durch ein Problem durch muss, liegt es nahe sich Honig um den Bart schmieren zu lassen.
Ich kann nur von meinen Erfahrungen, wie einige verheiratete Männer sich plötzlich um mich bemüht haben als ich mal frisch getrennt war.
Natürlich ohne ihren Frauen reinen Wein einzuschenken, lieber eine heimliche Affäre, um sich abzulenken, dass Mutti zu Hause doch so oft meckert. Das selbe wird es umgekehrt, genau so geben.
Wenn unüberbrückbare Probleme bestehen, dann soll man sich ganz klar trennen!
Aber meist geschieht das heute meines Erachtens zu schnell und im Affekt.
Weil es einfacher gemacht wird, siehe die Popo These.

Was dich angeht Dirk 1970 würde ich mir mal Gedanken machen, warum Du auf dieses Thema immer noch so anspringst.
Ist doch jetzt gut für dich so wie es ist.

„Meckenheim“ (Pseudonym)

Eine liebe Freundin feiert im nächsten Monat ihre Silberhochzeit. Und die beiden sind als Ehepaar wohl leider die große Ausnahme. Nicht weil sie so lange durchgehalten haben, sondern weil man ihnen ihre lange Ehe nicht ansieht ;-) Ich hoffe ihr versteht, was ich damit sagen will. Sie sind auch nach all den Jahren ein "frisches" Paar und das sogar mit Kindern *grins. So etwas kenne ich nur ganz selten. Und ich befürchte viele von uns nehmen bewusst oder unbewusst genau ein solches Paar zum Maßstab. Ich befürchte allerdings, dass genau diese Konstellation eine Ausnahmeerscheinung ist und für die meisten Beziehungen das Matching einfach weniger optimal ist.

Der Upgrade-Gedanke in unserer Ellenbogengesellschaft hat meines Erachtens zweifelsohne einen großen Anteil am KO-System. Aber neu ist er nicht. "Drum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet..." habe ich schon früh gehört. Der Gedanke ist vielleicht "flächendeckender" geworden.

Ich für mich ganz persönlich habe eine Trennung seinerzeit und empfinde es auch heute noch als Niederlage! Ich füge nochmals hinzu, dass das mit niemandem anderen als mit mir zu tun hat. Ich sehe das bei anderen Menschen auch viel entspannter als bei mir. Beziehung ist eben Arbeit und nicht jeder ist bereit so viel zu geben. Und es mag sein, dass andere es als Selbstaufgabe empfindet. Ich sehe das nicht so. Mag sein, dass meine Grenzen weiter gesteckt sind als bei anderen, aber die Grenzen von Menschen sind eh individuell. Ich will halt in allen Bereichen 100%. Für MICH, für meine Kinder, für meinen Partner und natürlich auch für meinen Beruf. Hätte ich damals in Mathe noch besser aufgepasst, dann hätte ich wohl bemerkt, dass in der Summe 400% nicht möglich sind. Aber wie heißt es so schön: "Unmöglichkeiten sind Ausflüchte für sterile Gehirne! Schaffe Möglichkeiten!" (Hedwig Dohm)

Aber ich erwarte auch immer ein ehrliches Feedback meiner Freunde im offline-Modus. Erdung ist wichtig! Und was sagen diese?.... "Engelchen, auch Du kannst sie nicht ALLE retten!" ;-)

Mein Fazit: Es ist halt immer so wie es ist!

Ich glaube auch, dass es früher einfach so war, dass eine Frau einen Mann hatte um abgesichert zu sein. Da wurde ja auch viel eingefädelt - ohne dass Liebe im Spiel war. Ich glaube da ist man mehr mit dem Kopf an die Sache ran gegangen.
Wenn ich meine Eltern anschaue - die waren über 30 Jahre verheiratet - meine Mutter hat sich meinem Vater untergeordnet - hat Haushalt und Kinder versorgt und er hat das Geld heim gebracht.
Ich glaube schon dass sie sich auch irgendwo geliebt haben, aber es war rationaler. Und ich glaube damals war die Ehe wirklich noch ein sicherer Hafen, wenn man in dem mal war, dann ist man dort geblieben.
Heute ist es eher so, dass es ein Zwischenhafen ist - und ich denke auch weil die Frauen nicht mehr so von den Männern abhängig sind.
Heute machen sich halt viele nicht mehr Mühe an einer Beziehung zu arbeiten sondern schmeissen es hin. Und wir leben eben in einer Wegwerfgesellschaft und das in ganz vielen Bereichen des Lebens.

„Meckenheim“ (Pseudonym)

@Dirk1970
"Habt ihr euch mal Gedanken gemacht, was es über die Qualität einer Beziehung aussagt, wenn sich ein vergebener Mann von einer anderen Frau "angeln" lässt?"

Ich behaupte: JA - aber die Sichtweise ist auch dort egozentrisch...
Mit mir ist alles anders... ;-))

@Engelzauber:

Die Frauen sind nach wie vor von den Männern abhängig. Und wenn nicht mehr wirtschaftlich, dann körperlich, seelisch...

Es scheint so, als ob die Frauen heutzutage zwar tatsächlich mehr gesellschaftliche Rechte hätten, wüssten aber oft nicht, damit etwas anzufangen.

Eine Beziehung setzt voraus, dass man bisweilen bereit ist, Opfer darzubringen, sei es wegen des Partners oder der Kinder. Die heutige Gesellschaft der Brotesser ist dazu nicht imstande: Männer wurden schwach und stehen auf dem Kopf; Frauen haben endlich das Recht erlangt, ganz legal hysterisch zu sein...:-)

„Meckenheim“ (Pseudonym)

@Bricriu Nemthenga
Ich breche dann mal hysterisch zusammen... Vor Lachen! Sorry aber der musste sein :-)))

„Geilenkirchen“ (Pseudonym)

Wie geht dieses" Augenbrauen hoch" Zeichen bitte?

„Bad Nauheim“ (Pseudonym)

@ Bricriu

Das hätte ich gerne noch mal genauer von dir erklärt. In wie weit sind Frauen von Männern abhängig? Körperlich und seelisch? Und warum genau können wir mit den erreichten für uns nichts weiter anfangen? Gib mal bitte Beispiele!

„Geilenkirchen“ (Pseudonym)

Das würde ich auch gerne genauer erfahren.
Erzähl doch mal...