Virtuelles Flaschendrehen Nr. 22 - Fragen und Antworten aus dem Alltag

in „Spiel, Spaß und Sinnlosigkeit“

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In der Schule war ich in Kunst, Musik und beim freien Schreiben ziemlich gut, wäre beruflich fast mal in die Mediendesign Richtung gegangen und ich hab ein gewisses Gefühl für Farben und Design, ABER - diese Ader Ader zu nennen, würde echte Künstler beleidigen. Vielleicht ein Äderchen. Eine Kapillare. Was kleines, feines, wenig Trainiertes. Ich nutze meine Kreativität eher für Problemlösungen als für Kunst.

Was hast du zuletzt kreativ umgesetzt?

Ähnlich, Clique, Partys und täglich Eislaufen bzw Inliner mit " Rollerdisco/ Eisdisco" am Freitag. Samstags ging es in die Clubs. Zusammen mit allen in den Urlaub gefahren. Und zu viert eigentlich wie in Ner WG gelebt. Obwohl jeder ne Wohnung hatte hockten wir immer aufeinander. Haben alles zusammen gemacht. Sogar als das erste Kind kam. Waren tolle Zeiten, will ich nicht missen.




Wie waren deine Jugendzeiten?

Ich war ein dicker, introvertierter Teenager mit damals schwerem Asthma, der hobbymäßig Computerspiele programmiert hat, gute Noten hatte und Kleidung ohne Coolnessfaktor trug. Außerdem wurde ich dazu erzogen, mich immer anzupassen, leise und unaufällig zu sein, keinen Raum einzunehmen und im Zweifelsfall die Schuld bei mir zu suchen. Bis ich mit 17/18 damit angefangen habe, das aktiv zu hinterfragen und zu rebellieren, haben ziemlich viele Dorfkids ihre bösartige Ader an mir ausgelassen. Vor allem die Dummen hatten echt Spaß daran mir weh zu tun - teilweise auch körperlich. Ich habe mit 17 (natürlich über ein nerdiges Hobby) meinen ersten Freund kennengelernt und der hat mir überhautp erstmal die Augen geöffnet, dass ich das alles nicht so hinnehmen muss, was mein Umfeld da so für mich bereit hält. Aber ich war in meinem Leben nie unglücklicher als von 13-16. Meinen Mut und meine Stimme habe ich erst danach entwickelt.

Warst du ein cooles Kind?

Es berührt mich, was ihr über Eure Jugend schreibt. Das Leben ist einfach nicht fair. Das einzige Glück, der einzige Trost ist dabei vielleicht, wenn man das überhaupt so sagen darf, dass sich aus solchen Verletzungen auch Stärken entwickeln können. Wirkliche Stärken.

Ich war eher kein cooles Kind. Schlecht weil arm gekleidet, mit einem Schlüssel um den Hals und mit wenig feinfühliger Unterstützung. Aber ich mache heute meinen armen, verstorbenen Eltern dafür keine Vorhaltungen mehr. Sie haben getan, was sie konnten. Ich würde alles dafür tun, sie heute noch einmal umarmen zu dürfen.

Verfolgst Du das Drama um den Wal?

Nein, ich bin schon ziemlich früh zu der Erkenntnis gekommen, dass das ein ziemlich krankes Tier ist, dass auf offener See wahrscheinlich keine Chance mehr hat, auch wenn die Helfer es schaffen würden, ihn dorthin zurück zu bringen. Seine mehrfachen, deutlichen Orientierungsprobleme hatten ja eine Ursache (vergleichbar vielleicht zu einem Menschen im Delirium) und wir haben zu wenig Erfahrung mit Walmedizin, um ihm wirklich helfen zu können. Es gäbe ja nicht mal einen humanen Weg ihn schmerzfrei zu erlösen. Dazu dieses ganze Drama um einen bekannten, umstrittenen Influencer, der sich da profilieren wollte, das entsprechende Gezänk darum, dieses ganze emotionale Aufschaukeln..... Ich finde es ist eine Show, die gerade abgezogen wird, um die Leute von den wirklich wichtigen Geschichten, die gerade politisch ablaufen, abzulenken (Gaza, Iran, politischer Umbau in den USA, Militarisierung Europas, Ukraine). Es gibt so viele Dinge, für oder gegen die Menschen sich engagieren wollen, aber der Wal ist greifbarer. Das die Leute sich so auf den Wal (der wahrscheinlich nie eine Chance hatte) fixieren, ist aktives Vermeidungsverhalten, sich mit wirklich harten, unangenehmen Dingen zu beschäftigen. Also nein, tue ich nicht. Ich gehe davon aus, dass man in ein paar Tagen aufgeben oder bekanntgeben wird, dass man ihn verloren hat.

Du hast zwei Artikel zur Auswahl: Einen über den Wal, einen über den Genozid in Gaza, welchen öffnest du?

Vieldranvieldrin - es wird Dich nicht trösten - aber so habe ich zwanzig Jahre gearbeitet. Dann von 8:30 bis 14:30 Pause und dann weiter. Dazu keine zehn freien Wochenenden im Jahr. Klingt blöd. Ist es auch. Wahnsinn. Sorry, dass ich damit jetzt hier reingrätsche. Ist einfach auch eine traumatische Erfahrung. Werde ich nicht so richtig los.

Jetzt ist meine Nacht vorbei, wenn ich das möchte. Das ist ein großes Glück.

Reden wir also besser über Glück. Das größte Glück der Erde - ist für Dich?

Gesund zu werden zusammen mit meinem Mann, der mir hoffentlich auch noch Jahre erhalten bleibt....und wir noch lange nach Portugal zum Überwintern hinreisen können. Alles andere kann man "hinkriegen".....

Was macht für dich das Glück auf Erden aus?