Das Thema ist für etliche Menschen hier offensichtlich akut und auch nicht einfach zu bewältigen - seelisch, finanziell, organisatorisch.
Deshalb ist ein eigener Thread dafür eventuell sinnvoll. Um zu zeigen, wie man selbst damit umgeht, um Tipps zu geben, vielleicht zu unterstützen oder auf Konflikte hinzuweisen.
Jedenfalls ist es ein Thema, das gerade für Kind - Eltern - Verhältnisse sehr viel Konfliktpotenzial birgt, aber auch die Reflexion der eigenen Position erfordert. Manchmal braucht man den Blick eines Außenstehenden, um sich in der Gemengelage wiederzufinden.
Ich bitte um Behutsamkeit und freundliche Formulierungen - wir sind nur verletzliche Menschen.
Gutes Thema.
Da gibt es viele Aspekte, innere emotionale Ansprüche/ Grenzen, faktisch reale Möglichkeiten und finanzielle Unterstützungen bis hin zu bürokratischen Fallstricke...
Eigentlich hatte ich etwas zur Threaderöffnung geschrieben - komischerweise ist es weg🤔
Ich denke, das Thema spricht viele Menschen hier an bzw. geht viele an. Und es bringt seelische, finanzielle und organisatorische Probleme und Konflikte mit sich, die man auf eigene Faust nur sehr schwer bewältigen kann.
Wenn ihr euch hier austauscht, berücksichtigt bitte, dass wir oft sehr sensibel und vulnerabel sind, wenn es gerade Eltern-Kind-Beziehungen betrifft und ungeahnte Traumata antriggert.
Also seid bitte behutsam miteinander und sparsam, was „einfache“ Ansätze als Ratschläge angeht.
Hallo, hier hat noch niemand etwas zur Überschrift geschrieben. Meine Eltern sind beide 87 Jahre alt. Meine Mutter hat zwar auch ihre Krankheiten und Schmerzen, ist aber noch relativ fit. Mein Vater ist wirklich schwer krank und seit einigen Wochen noch schwer dement. Quasi über Nacht. Die Tragödie fing im Mai dieses Jahres an. Bis dahin war mein Vater zwei schwer krank, aber relativ stabil. Seitdem ist klar, dass er wirklich nicht mehr sehr lange leben kann. Das hat mich ganz schön aus der Bahn geworfen. Mehr, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Die Auseinandersetzung mit dem Tod meiner Eltern, mit ihrem Leid, hat vieles in mir aufgewühlt und ich habe auch vieles gelernt. Das Ganze hat mich aber so aus der Bahn geworfen, dass ich gut daran getan hätte, mir psychologische Hilfe zu suchen. So wurde die ganze Situation durch meine persönlichen Probleme noch viel schwieriger für uns alle. Vor allem konnte ich auch gar nicht in dem Maße für meine Eltern da sein, wie ich es gerne gewesen wäre und wäre.
Auch habe ich festgestellt, dass viele Hilfen von außen nur auf dem Papier existieren. So habe ich bis heute keinen Pflegedienst für meine Mutter gefunden, da nicht ausreichend Personal vorhanden ist. Für meinen Vater habe ich zwar einen Pflegedienst gefunden, allerdings hat er nicht genug Kapazität um die Pflege auszuweiten. Außerdem habe ich bezüglich meines Vaters nach Palliativ Pflege gefragt. Auch hier ist es schwierig diese zu bekommen. Außerdem ist der Umfang der Palliativ Pflege viel geringer als gedacht.
Für mich persönlich habe ich bei einem Hospizverein angefragt. Die Mitarbeiter dort arbeiten ehrenamtlich und haben so nur einmal im Monat 1 Stunde Zeit. Für meine Mutter habe ich mich auch nach einer 24 Stunden Pflege umgehört. Die kostet aber zwischen 3000 und 3800 euro im Monat. Meine Mutter hat einige Ersparnisse und könnte sich eine solche Pflege für eine gewisse Zeit leisten. Allerdings hat sie ihr Leben lang für dieses Geld auf vieles verzichten, so dass es ihr sehr schwer fällt. Nun das ganze Geld innerhalb kurzer Zeit auszugeben. auch habe ich schon öfters über Anzeigen nach Hilfe gesucht. Es melden sich zwar immer viele Leute, aber zu den Vorstellungsgesprächen taucht nur ein Teil davon auf. Vereinbart man dann einen Termin zum Probearbeiten, dann kommen viele auch nicht. Zum Glück haben wir aber immerhin eine nette Frau gefunden, die nun meine Mutter im Haushalt unterstützt und ihr auch Gesellschaft leistet.
Leider werde ich auch durch die Ärzte meine Eltern kaum unterstützt. Ich habe schon öfters gefragt, auf was ich mich denn einstellen muss. Aber wirklich Auskunft habe ich nicht bekommen. Auch beim Pflegedienst habe ich diesbezüglich schon angefragt. Außerdem macht die Ärztin meines Vaters, sehr ungern Hausbesuche und lehnt diese oft ab. Kommt also einfach gar nicht.
Was gibt es gutes zu berichten? Die Mitarbeiter des Pflegedienste sind relativ freundlich und wirklich bemüht, meinem Vater zu helfen. Die Dame vom Pflegestützpunkt hat sich wirklich einmal 2 Stunden für mich Zeit genommen und mich angehört und beraten. Die Pflegekassen haben die beantragten Pflegestufen meiner Eltern bewilligt und zahlen für die Pflege meines Vaters und meiner Mutter. Momentan reicht das Geld der Pflegekasse hierfür noch gut aus.
Leider wird man dabei ziemlich alleine gelassen und die Versicherungen machen die Pflege auch nicht einfacher.
Als erstes hole dir Hilfe bei einem Sozialverband , dann gibt es noch Senioenvereine usw . Stell dich breit auf ,man benötigt oft schon beim Antrag für die Pflegestufe Hilfe, denn oft wird nur Stufe 1 oder2 vergeben obwohl schon höher möglich ist.
Beim Amt gibt es eine Abteilung die bei Pflegefälle hilft und auch berät. Pflege direkt bei Firmen ist schwierig, aber da immer wieder Anfragen, Malteser, Rotes Kreuz oder Diakonie mit ins Boot holen oft können sie Pflege vermitteln.
„Elsdorf“ (Pseudonym)
@Annette
Falls du das noch nicht bist, dann würde ich dir zu einer Mitgliedschaft im VdK raten. Das kostet nicht die Welt und du kannst dich dann dort unabhängig beraten lassen (unabhängiger als beim Pflegestützpunkt die leider nicht immer alle und die richtigen Infos rausgeben), du bekommst im Zweifel dort auch Rechtsbeistand, wenn das nötig ist.
Alles Gute für dich und deine Eltern.
Ich arbeite in dem Bereich (bin aber keine Pflegefachkraft) und kann gerade den Angehörigen nur immer wieder sehr empfehlen:
- auf die eigene Gesundheit zu achten; man neigt dazu sich zu viel zu zumuten
- und in nahen Bereichen einer Uni oder FH Studierende (soziale Arbeit oä) als stundenweise Entlastung zu suchen, gegen Bezahlung. Gerade am Wochenende oder abends eine Entlastung und die zu pflegende Person bekommt ebenfalls neue Impulse.
„Neu-Ulm“ (Pseudonym)
Annette, ich wünsche dir ganz viel Kraft. Ganz gleich wie viel euch geholfen wird, es ist ein Abschied auf Raten.
Kein Geld der Welt kann das ändern.
Für mich ist die spürbare Endlichkeit unseres Daseins das größte Problem.
Jeden Tag geht ein Stück Lebensenergie und Qualität verloren. Als Angehöriger steht man hilflos daneben. Letzte Wünsche kann man vielleicht erfüllen .... .
Schöne Momente einfangen hilft auch.
Zeit ist kostbar und je weniger man davon hat um so wichtiger wird sie.
Viel Glück...
Mir hat ein angebotener Pflegekurs sehr geholfen. Es ist wichtig, umfangreiche Informationen einzuholen über die Hilfen, die man bekommen kann, wie man den Tagesablauf gestalten kann, Pflegetagebuch führt, die eigenen Bedürfnisse unbedingt berücksichtigt, adäquat mit der zu pflegenden Person umgeht.
Hallo, lieben Dank für eure Antworten. Es ist schon eine Weile her und ist viel passiert. Einiges hat sich zum Glück nun gebessert. Wahrscheinlich auch, weil ich ihm die ganze Situation etwas hinein gewachsen bin.
Was ich rückblickend, hätte besser machen können:
Mich besser informieren, Bücher lesen
Kurse besuchen, wie mir auch hier empfohlen worden ist
Besser darauf zu achten, dass es mir gut geht. Denn man kann nur geben, wenn man hat.
Leider habe ich erst vor kurzem ein Buch über Demenz gelesen, indem viele Beispiele genannt worden sind. Hier habe ich meine Mutter sehr häufig erkannt. Ich wusste schon, dass sie Demenz hat aber mir war die Dimension nicht klar und habe lange versucht mit ihr über die Vernunft weiter zu kommen statt mit dem Gefühl.
Allerdings ist es, wenn es einem selber nicht so gut geht und man ihm Stress ist nicht so leicht auf die Gefühlsebene zu kommen. Hierzu muss es mir gut gehen und ich muss entspannt sein.
„Minden-Lübbecke“ (Pseudonym)
@Annette
Kann mich sehr gut in Deine Situation hinein versetzen. Nur wer selbst gesund und stabil ist, kann die Pflege der Angehörigen schaffen.
Mein Vater war schwer Demenzkrank und als es anfing, wurde uns im Krankenhaus gesagt, dass er die nächsten Tage nicht überleben wird. Mit der Diagnose fängt es ja schon an, dass man schockiert ist.
Dann kam er in Kurzzeitpflege, damit wir entscheiden konnten, nach Hause oder ins Heim.
Da wir aber auch ins Heim 3x täglich fahren mussten, um ihn zu füttern, war die Entscheidung für Zuhause. Den Pflegekräften konnten wir keine Vorwürfe machen. Da war einfach keine Zeit, sich um jeden einzelnen zu kümmern.
Habe mich dann selbst in die Materie Pflege rein gekniet und alle Anträge selbst gestellt. Auch hatten wir Glück, einen tollen Hausarzt zu haben und einen guten Pflegedienst, der täglich kam. In Großstädten sieht das ganze ganz anders aus. Die Stunden dazwischen habe ich dann gemacht. Nachts und Wochenende mein Bruder.
Da ich kurz vorher meinen Job durch Insolvenz verloren hatte, war die Entscheidung, dass ich Zuhause bleibe. Meine Mutter war damals ja auch schon hilfebedürftig.
Somit haben wir meinem Vater noch 2.5 Jahre bis zu seinem Tod in seinem Zuhause schenken können. Obwohl er nicht mehr wusste, dass er Zuhause war.
Das ganze ist jetzt 10 Jahre her und es fühlt sich für mich persönlich wie gestern an. Es sind Eltern und das bleibt für immer. Das geht auch nicht weg.
Nach einem Herzinfarkt vor drei Jahren geht es meiner Mutter nicht gut. Aber es ist keine Demenz. Wo ich damals noch quasi im Erstantrag die Pflegegrade bewilligt hatte, habe ich letztes Jahr 8 Monate gekämpft, um eine nächst höhere zu bekommen. Immer wieder Widerspruch eingelegt. Hier übernehme ich die Pflege im Moment noch ohne Pflegedienst. Hoffe, dass es sich nicht zu sehr verschlechtert. Dann müssen wir auch noch was ändern.
Wünsche Dir, Annette, auf jeden Fall viel Kraft und Stärke und achte bitte auch auf Dich selbst. 🍀
„Schwabach“ (Pseudonym)
@Annette
Welches Buch hast du gelesen, das dir geholfen hat?
„Schwabach“ (Pseudonym)
Das mit dem Buch hat sich erledigt, danke.
Aber eine andere Frage ...
Ist hier jemand aus Dresden, der Empfehlungen hat für einen Pflegedienst und/oder 24 Std. Pflege?
„Schwabach“ (Pseudonym)
Sorry, wenn meine Frage OT ist ...
„Germering“ (Pseudonym)
Wichtig ist, eine Patientenverfügung zu machen. Ferner sich bei Dementen rechtzeitig eine Betreungsvollmacht zu besorgen, ohne die man nichts verfügen kann
„Germering“ (Pseudonym)
Sich alle Hilfsmittel besorgen, die möglich sind. Dabei hilft auch eine Pflegeberatung, Pflegeeinsätze holen
Und für sich selbst Erholung einholen
Benutze einfach mal diesen Thread.
Hatte heute ein Beratungsgespräch mit unserem Pflegedienstleiter. Er kommt halbjährlich um u.a. eine Unterschrift für die Pflegekasse zu bekommen.
Im weiteren Verlauf sickerte so langsam durch, was auf die Pflegebedürftigen, Angehörigen, Heimbewohner usw. zukommt, wenn es denn die Politik so verabschiedet.
Wen es interessiert, hier ein paar Punkte:
- Pflegegrad 1 fällt komplett weg. Überhaupt eingestuft zu werden wird schwieriger.
- Schwellenwerte (Punktzahl wird hoch gesetzt ). Es wird schwieriger, den höheren Grad zu erreichen.
- Eigenanteil Heimplatz wird erhöht
- Verhinderungspflege fällt komplett weg. Kann nur im Akutfall beantragt werden.
-Rentenbeiträge für pflegende Angehörige werden um 30% gekürzt.
-Grade sollen finanziell erhöht werden und daraus muss man dann seine Hilfen bezahlen. So hab ich das wenigstens verstanden.
Als Tip gab er noch mit, wer einen Pflegegrad beantragen muss, sollte es dieses Jahr noch tun, um ins "alte" Recht zu fallen.
Das wird jetzt nach der Sommerpause Thema in der Regierung sein und soll ab 01.01.27 Gesetz sein.
Rentenbeiträge für pflegende Angehörige werden um 30% gekürzt.
Oh Gott, gerade damit schießen sie sich doch ins eigene Knie?!
Warum sollen pflegende Angehörige denn für ihren Einsatz noch bestraft werden?! 😖 Das ist eine Vollkatastrophe!
@Carla-1
Weil es schlichtweg für den Staat zu teuer ist und die Angehörigen dann die pflegende Person bezahlen müssten. 🤷🏻♂️
Dann würde man auch wieder eigene Rentenpunkte sammeln. Die Frage ist ja immer, wenn man das Vollzeit macht wie groß der Kostenunterschied zu einer externen Betreuung wäre.
Sechseinhalb Jahre hab ich meine Mutter als Pflegende Angehörige in vollster Vollzeit begleitet, hatte eine 70 Stundenwoche, 28 Tage im Monat und in der Nacht immer Bereitschaft.. sie durchlebte ihre Kindheit oft mitten in der Nacht erneut, sang und jubilierte oft gegen 3:00 als sie ausgeschlafen hatte. Sie hatte Parkinson.
Soweit ich mich erinnere, hat die AOK meine Rentenbeiträge für diese Zeit gezahlt, es war aber nicht viel, was zählt ist dass die Jahre angerechnet werden.
Es ist kein gutes Geschäft die Pflege der Angehörigen zu übernehmen, man macht überall Abstriche. Überall.
Es ist kein gutes Geschäft die Pflege der Angehörigen zu übernehmen, man macht überall Abstriche. Überall.
Die Kürzung ist ein Schlag ins Gesicht. Denn ca. 5 Mio. Pflegebedürftige werden zu Hause von Angehörigen gepflegt/betreut.
Da müssen Jobs reduziert bzw. ganz aufgegeben werden, weil es schlichtweg nicht genug Pflegekräfte gibt. Und wovon man lebt? Die Frage kommt noch dazu.
Hier im Umkreis gehen zur Zeit drei Heime insolvent bzw. schließen. Die Heimbewohner müssen auf andere Heime verteilt werden. Ist aber aktuell kein Platz frei, müssen sie nach Hause geholt werden. Und das wird nächstes Jahr noch schlimmer. Und da fängt niemand die Angehörigen auf.
Eine Katastrophe wird das...und dazu brauche ich keine Glaskugel oder sehe zu schwarz.
Ich selbst habe meine Eltern jetzt seit 26 Jahren gepflegt. Bei meiner Mutter, die schon seit meiner heit eine kranke Frau war, fing es mit einem Pfegegrad 2 an, um den ich aber drei Jahre lang mit ihr diskutiert habe. (In ihren Augen gab es ja so viele Menschen, denen es schlecht dagegen)
Mein Vater ist dann vor 21 Jahren nach einem Schlaganfall schlagartig zu einem Vollpflegefall geworden. Ihn haben wir nach viereinhalb Monaten Krankenhaus, Aufenthalt und Anschlussheilbehandlung zum Sterben nach Hause bekommen. Zu dem Zeitpunkt kam er mit dem Pflegegrad 0, bettlägerig, Sonden ernährt, ohne Sprache und voll inkontinent nach Hause. Ich war mitten im Sozialpädagogik Studium und habe meinen Schwerpunkt dann schlagartig auf Alter und Gesundheit verlegt.
Es hat ein Jahr gedauert, bis ich meinen Vater wieder so fit hatte, das Sprache zurückgekommen ist, er wieder selbstständig Essen konnte, kurze Strecken mit dem 5. Stock ging und sich mit dem Elektrorollstuhl draußen fortbewegen konnte. Alles entgegen der Prognose von den Ärzten.
Nach 13 Monaten habe ich dann endlich rückwirkend den Pflegegrad 4 durchgesetzt und zeitgleich den meiner Mutter auch auf vier erhöht, da auch sie gewaltig abgebaut hatte. Im Haus hat sie sich nur noch mit gehhilfen und später mit einem Rollstuhl bewegen können, längere Strecken nur noch mit dem Elektro Scooter und sie benötigte ständig Sauerstoff und hatte für unterwegs. Tragbare Versorgungsmittel. Obwohl sie so krank war, extremste Schmerzen hatte den Sauerstoffmangel schon sehr früh hatte, da sie sie eine der ersten Lungentransplantierten Menschen Deutschlands war, hat sie immer gegen angekämpft und extrem? Viel Energie aufgebracht, auch für meinen Vater.
Es war ein ständiger Kampf für jedes Hilfsmittel, um Logopäden, Ergotherapeuten, Krankengymnasten, die ins Haus kommen usw. Das habe ich alles neben dem Vollzeitstudium und später neben dem Vollzeitjob bewältigt. Die ersten Jahre habe ich keine Rentenpunkte erhalten, weil es das da noch nicht gab und viele weitere Jahre nicht, weil ich noch Vollzeit gearbeitet habe, was ich anfangs aber aber musste um finanziell überleben zu können.
Ich habe über gut 20 Jahre 16 bis 18 Stunden Tage gehabt und bin selbst dadurch körperlich und psychisch fast weggebrochen. Erst durch einen Unfall, der mich komplett aus der Bahn geworfen hat und wo ich 9 Monate um meinen Unterschenkel kämpfen musste, hat dafür gesorgt, dass mein Eltern zusätzlich externe Hilfe angenommen haben. Bis Sommer 2023 haben meine Eltern mit meiner Unterstützung, und zwei stundenweise eingekauften Kräften im eigenen zu Hause gelebt. Mein Bruder ist schon mit 22 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen und meine Tochter, die selbst Krankenschwester ist, hat mich zwar unterstützt, gerade während meiner Erkrankung, aber ich wollte ihr auch nicht zu viel zumuten.
Die letzten vier Jahre sind sie an 2/4 Tagen in der Tagespflege gewesen, was für mich auch eine Entlastung war, aber wozu ich sie wirklich überreden musste.
Bei meinem Vater ist dann seit 2021 eine schnell fortschreitende Demenz hinzugekommen, die zu Hause einfach nicht mehr zu bewältigen war, da aber Überforderung aggressiv reagierte und das mit der Instabilität meiner Mutter nicht zu vereinbaren war.
Hier war ich sehr froh dass er im Sommer 2023, durch einen krankenhausaufenthalt, einen guten Platz in einem Seniorenheime bekommen hat, wogegen meine Eltern sicher lange Zeit verwehrt hatten. Meine Mutter konnte ihn da auch mit E-scooter aufsuchen wenn sie wollte und die Kraft dafür hatte. Als sie dann Ende 2023 verstorben ist, hat mich das trotzdem ziemlich umgehauen, weil wir eine sehr enge Bindung hatten. Sie war aber auch die Lebensader meines Vaters, der trotz seiner Demenz immer wieder starke depressiven Phasen hat, wenn er sich an sie erinnert.
Da ich nach so einem Schlaganfall direkt komplette Betreuung über das Amtsgericht übernommen habe, habe ich natürlich die rechtlichen handhaben, aber auch immer noch sehr viel Verantwortung.
Bei meiner Mutter haben wir zum Glück rechtzeitig Patientenverfügungen und Vollmachten gehabt, was wirklich von niemanden vergessen werden sollte.
Natürlich hat mich der persönliche Bezug dazu bewogen, mich immer weiter in diesem Bereich zu spezialisierrn und habe jetzt seit beruflich über 15 Jahre Pflegeberatung und Unterstützung beim Erreichen von Pflegegraden gemacht.
Obwohl ich jetzt in Rente bin, helfe ich aber immer noch Menschen in diesem Bereich und werde dazu später gerne noch mal etwas allgemeines, was man ab nächsten Jahr durch die Veränderungen wissen muss, hierzu schreiben.
Pfundiges Herz hat schon einiges mitgeteilt, aber es gibt Dinge, die da noch anders oder nicht ganz vollständig sind. Das mache ich aber in einem extra Beitrag, weil es hier sonst zu viel wird.
Nach 13 Monaten habe ich dann endlich rückwirkend den Pflegegrad 4 durchgesetzt
...und ich dachte immer, ich wäre mit meinen 8 Monaten Kampf von 2 auf 3 schon an der Spitze.
Unglaublich, Küstenblume, was Du durch hast.
Ab 2027 fällt der Pflegegrad 1 weg.
Die Auflagen und das Erreichen eines Pflegegrades werden schwerer, weshalb jetzt viele versuchen noch schnell einen Pflegegrad zu erhalten.
1. Ab 1.01.2027 werden die Geldleistung
bei Pflegegraden erhöht, was aber in
meinen Augen Augenwischerei ist .
2026. ab 2027
Pflegegrad 2. 347 Euro 386 Euro
Pflegegrad 3. 599 Euro. 638 Euro Pflegegrad 4. 800 Euro. 889 Euro
Pflegegrad 5. 990 Euro. 1.079 Euro
2. Das monatlich zustehende
Pflegehilfsmittel Paket im Wert von
42 € fällt ersatzlos weg.
3. Das Entlastungsbudget, von jetzt 131 €
wird zum Sozialraumbudget und es gibt
175 €. Da aber hier neue Auflagen
kommen sollen, wird es gerade im
ländlichen Bereichen wahrscheinlich
schwieriger, dieses Geld überhaupt
einsetzen zu können. Pflegedienste
nehmen für diese Hilfen oft sehr viel
höhere Preise, was das Budget ja wieder
schmälert.
4. Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege
konnten bisher über das Jahr
zusammen abgerechnet werden, um
sich recht flexibel zusätzliche Hilfe für
benötigte, Freizeit, Entlastung,
Kurzzeitpflege etc. zu besorgen (bisher
3539 € im Jahr), was gerade für
pflegende Angehörige sehr wichtig ist.
2027 heißt es jetzt Überbrückungs-
budget. Das gibt es dann nur z.B. bei
Ausfall der Pflegeperson (für Akutfälle
/Notdienste)
Bei Pflegegrad 2 & 3 bis zu 1.855 Euro
bei Pflegegrad 4 und 5 bis zu 2.285 Euro
Jährlich.
Das darf dann aber nur über
professionelle Anbieter gemacht
werden, was natürlich auch gleich
wieder wesentlich teurer ist, als wenn
man privat jemanden einkaufen kann.
5. Pflegende Angehörige, bekommen 30 %
weniger Rentenpunkte für ihre
Leistung. Leider weiterhin erst, wenn
man nicht mehr als 30 Stunden
arbeitet, was vielen in geringfügig
bezahlten berufen ja gar nicht möglich
ist. So werden sie weiterhin bestraft für
die Doppelbelastung, die sie ja
trotzdem neben ihrem Vollzeitjob
haben.
6. Die Einstiegshürden werden größer und
wer 2027 erst einen Pflegegrad erhält
bekommt die ersten drei Monate nur
das halbe Pflegegeld... Die Begründung
sind mehr als fadenscheinig!
7. Ab 2028 soll dann für den Start bei
Erhalt eines Pflegegrades eine
Pflegebegleitung zur Seite gestellt
werden. Wer das machen soll, ist aber
fraglich, weil bis heute dafür keine
Ausbildung vorhanden sind und noch
keine allgemeinen Standards geschaffen
wurden. Die derzeitigen Pflege-
beratungen, die man bei Pflegegraden
halb oder vierteljährlich machen muss
(wenn kein Pflegedienst involviert ist) ,
Haben nur eine geringe Zusatz-
ausbildung und wissen oft nur wenig,
um wirklich umfassend und gut beraten
zu können. Es gibt erst wenig
Sozialpädagogen, die sich auf diesen
Bereich spezialisieren und ich habe mir
80% meines Wissens durch eigenes
Interesse, nachfragen und nachlesen
erarbeitet und behaupte mal, dass ich
immer noch nicht alles weiß
8. Auch der Eigenanteil bei einem
Heimplatz wird erhöht und
9. Zwei Jahre wurde ja sogar über einen
kleinen Lohnersatz für pflegende
Angehörige nachgedacht. Das ist jetzt
aber komplett gestrichen.
Insgesamt herrscht hier noch eine große Unsicherheit, es Sovd, VdK und auch Gewerkschaften versuchen, diese Gesetze zu verhindern, aber ich befürchte, dass es leider durchkommen wird. Gleichzeitig reden Sie über die Abschaffung der Flexi-rente, die pflegende Angehörige zum Teil genutzt haben und die Absenkung des Jahres- Bruttofreibetrags (derzeit 100.000) für Angehörige, bevor, sie zuzahlen müssen. Außerdem wird überlegt, ob das Eigenheim eines Pflegebedürftigen dann vorrangig als Zahlungsmittel hinzugezogen werden kann. Es kommen also schlechte Zeiten auf uns zu.
Was bleiben soll sind die Zuschüsse für Tagespflege. Sie wird weiterhin hälftig von der Pflegekasse und dem Kreis bezahlt. Der Eigenanteil für Kost und Transport bleibz. Hier stehen einem so viel bezuschusste Tage zu, wie.der Pflegegrad hoch ist. PG = 2 Tage PG 3 = 3 Tage usw.
86 % der Pflegebedürftigen werden im häuslichen Umfeld gepflegt. Die Heimplätze sind rar und steigen preismäßig immer weiter. Bei pflegegrad sind das durchschnittlich ca. 3 500 € monatlich und die Preise steigen mit Höhe des Pflegegrades. Knapp 40 % der Menschen, die in einem Pflegeheim leben brauchen Zuschüsse vom Kreis, um diesen Platz überhaupt bezahlen zu können! Auch die Hürden für die Hilfsmittel, die viele unserer Angehörigen benötigen, werden höher.