Ich frage mich gerade, ob wir Menschen auf Plattformen wie dieser eigentlich anders kennenlernen als im echten Leben.
Nicht unbedingt besser oder schlechter. Einfach anders.
Im echten Leben kann mir jemand begegnen, bevor ich überhaupt weiß, wie alt er ist, wie groß, welchen Beziehungsstatus er hat, ob er Kinder möchte, wie weit er entfernt wohnt oder was genau er eigentlich „sucht“.
Vielleicht bringt er mich zum Lachen. Vielleicht entwickelt sich ein Gespräch. Vielleicht finde ich seine Stimme toll, irgendeine Bemerkung bleibt hängen oder ich merke nach drei Minuten: Nee. Wird nix. 😁
Aber zuerst begegnet mir ein Mensch und die Informationen kommen irgendwann danach.
Online läuft es häufig andersherum.
Foto.
Alter.
Größe.
Entfernung.
Beziehungsstatus.
Kinder.
Interessen.
Suche.
Ein bisschen Kennenlernen mit Personalabteilung.
Und wenn irgendwo ein Punkt nicht zur ausgeschriebenen Stelle passt, kommt die Bewerbung möglicherweise gar nicht erst auf den Tisch.
Dabei frage ich mich manchmal:
Würden wir im echten Leben Menschen kennenlernen, die wir hier niemals angeklickt hätten?
Auch manche einzelnen Wörter haben erstaunlich viel Macht.
„Single.“
„Verheiratet.“
„Partnerschaft.“
„Affäre.“
„Freundschaft.“
Wir lesen ein Wort und häufig startet im Kopf schon ein ganzer Film.
Dabei wissen wir noch überhaupt nicht, was dieses Wort im Leben des anderen tatsächlich bedeutet.
Zwei Menschen können beide „Partnerschaft“ ankreuzen und vollkommen unterschiedliche Vorstellungen davon haben.
Genauso kann hinter „Single“ eine ziemlich komplizierte Geschichte stecken und hinter „verheiratet“ eine Lebenswirklichkeit, die mit dem Bild im eigenen Kopf wenig zu tun hat.
Das heißt nicht, dass solche Informationen unwichtig wären. Ganz im Gegenteil.
Aber vielleicht sind sie eher Überschriften als die ganze Geschichte.
Und dann schleppen wir natürlich auch noch unsere Erfahrungen mit.
Wenn fünf Menschen mit einem bestimmten Profil, einer bestimmten Suche oder einer bestimmten Art zu schreiben schlechte Erfahrungen bei mir hinterlassen haben, bekommt Nummer sechs vielleicht schon eine Rechnung präsentiert, die eigentlich seine Vorgänger verursacht haben.
Erfahrung ist wichtig. Sie schützt uns.
Aber irgendwann wird aus Erfahrung vielleicht auch eine Schablone.
Vielleicht funktioniert das Ganze sogar in beide Richtungen.
Wir sortieren jemanden aus, weil auf dem Papier etwas nicht passt.
Oder wir bleiben an jemandem interessiert, weil auf dem Papier erstaunlich viel passt, obwohl zwischen den beiden Menschen eigentlich kaum etwas passiert.
Und vielleicht begegnet uns im echten Leben ausgerechnet jemand, den unsere persönliche Suchmaske niemals ausgespuckt hätte.
Nicht die richtige Größe.
Nicht das richtige Alter.
Nicht die richtige Entfernung.
Vielleicht sogar das falsche Kästchen angekreuzt.
Und dann steht dieser Mensch plötzlich vor uns, bringt uns zum Lachen, macht uns neugierig oder löst irgendetwas aus, das in keiner Suchmaske vorgesehen war.
Mich würde deshalb interessieren:
Wie sehr verändert so eine Plattform die Art, wie wir Menschen auswählen und einschätzen, noch bevor wir sie überhaupt kennengelernt haben?
Und gab es bei euch schon einmal jemanden, bei dem ihr im Nachhinein dachtet:
Den hätte ich nach seinem Profil eigentlich aussortiert. Gut, dass ich es nicht getan habe.
Oder vielleicht sogar andersherum:
Auf dem Papier perfekt.
Und in echt war das Papier dann doch das Spannendste daran. 😏
Nehmen wir jetzt mal an, im Alltag würde sich so ein "magischer" Moment ergeben, aber:
- er ist verheiratet - zwei kleine Kinder, seine Frau stresst ihn gerade furchtbar und der Kleine ist ständig krank, die Beziehung besteht nur noch auf dem Papier
- er ist sexuell hungrig, du wirkst appetitlich - Der Sex ist seit dem letzten Kind quasi eingeschlafen weil die Nächte so unruhig sind. Seine Frau vernachlässig ihn (seiner Meinung nach)
- er mag es, wenn Frau ihn so richtig verwöhnt, er selbst mag es bei ihr nicht so. Dafür sollte Frau Verständnis haben. Richtige Männer machen das so. Er spult Programm XYZ ab, er hört dir kaum zu, er fragt dich auch nicht groß was dir gefällt. Aber die Nähe ist schön. Er macht dir Komplimente, meist vor dem Sex.
- seine Interessen sind Feuerwehr und Formel 1 mit den Jungs, er ist wenig zuhause, da nerven ja meist die Kinder ansonsten in jeder freien Minute. Aber er könnte immer mal wieder 2-3h für Treffen in deiner Wohnung möglich machen. Oder vielleicht mal einen Wochenendausflug.
- Suche: Er ist ja eigentlich VOLL der Typ für eine feste Partnerschaft, nur ist er schon in einer. Aber wahrscheinlich nicht mehr lang. Er ist mit seiner Frau schon sehr unglücklich. Du könntest eine Zukunft sein. Wenn er sich bei dir wohl genug fühlt, dafür solltest du seiner Meinung nach halt sorgen.
...... Das sind Männer mit denen du magische und vielleicht auch intime Momente haben kannst, aber weil du vielleicht am Anfang nicht so genau nachfragst, wie ihre wahren Lebensumstände und Beweggründe so sind, wie du das online tust, denkst du, du könntest für sie wirklich wichtig werden OBWOHL sie schon bei Familie Nr. 1 sich nicht wirklich engagieren und schon halb auf der Flucht vor Verantwortung und persönlicher Entwicklung sind.
Soll sich jeder selber fragen, ob er/sie lieber ein wenig Magie oder ein wenig Potenzial möchte. Ja, man lernt sich online anders kennen. Es muss aber nicht schlecht sein mehr zu wissen.
Die Personalabteilung hätte vielleicht die ob der Rahmenbedinungen und persönlichen Eigenschaften ungeeigneten Kandidaten frühzeitig rausgefiltert.
@Georgsmarienhütte
"Online läuft es häufig andersherum. "
Ja aber das ist doch ganz normal. Das ist doch der Grund warum es überhaupt Partnerbörsen gibt um mittels bestimmter Kriterien, die sowohl aus Optik als auch sozialen und charakterlichen Parametern bestehen eine Vorauswahl zu treffen.
Wieso soll man x Menschen kennenlernen, wo man im Grunde weiß, dass es Ko-Kriterien gibt, die eine langfristige Partnerschaft verhindern? Das heißt ja weder, dass das keine netten Menschen sein können, noch dass man nicht mit ihnen befreundet sein kann.
Aber für den Hauptzweck dieser Seite also der "Partnersuche" sind sie dann eben nicht geeignet, da unpassend oder nicht kompatibel.
Ich finde das durchaus legitim und auch sinnvoll, da man insbesondere über größere Entfernungen ja auch nicht die Möglichkeit hat sich jetzt mit 100erten Leuten zu treffen, nur um dann vor Ort zu merken, dass es doch nicht passt. Oder im Kennenlernen Dinge genannt werden wie Rauchen, Kinder oder andere Dinge, die man für sich eben ausschließt.
"Aber irgendwann wird aus Erfahrung vielleicht auch eine Schablone. "
Auch das kann richtig sein, hilft uns aber im Grunde nicht weiter. Denn was wäre denn die Alternative? Die Zeit und emotionale Verletzlichkeit hat glaube ich niemand, dass er jedem Menschen zu 100% unvorbelastet entgegen treten würde. Also ist es in meinen Augen schon ok so wie es ist.
"Und dann steht dieser Mensch plötzlich vor uns, bringt uns zum Lachen, macht uns neugierig oder löst irgendetwas aus, das in keiner Suchmaske vorgesehen war. "
Genau und wir können diese Person trotzdem nett und lieb finden oder auch sympathisch. Aber viele sind eben zu der Erkenntnis gekommen, dass eine dauerhafte Beziehung mit so jemandem nicht funktionieren würde. Ich habe z.B. auch Raucher in meinem Freundeskreis und Raucher können auch nette Leute sein. Wenn meine Freundin rauchen würde, wäre dies jedoch ein Ausschlusskriterium und ich finde genau so muss man das hier auf dieser Plattform auch werden. Das ist hier halt nicht Facebook oder eine Freundschaftsbörse sondern eine Partnersuche-Plattform.
Zumal ja auch spannend ist: Was ist dieses "Draußen", das in der sogenannten Realität "wirkliche" (noch so ein Wort) Kennenlernen? Die Sehnsucht doch in den anderen mit dem Einkaufswagen reinzufahren? Geht bei mir nicht, habe meist einen Korb - und auch Angst selbigen zu bekommen. Spannender aber, schauen wir uns überhaupt um, schauen wir uns überhaupt an? Als es mir mal wirklich schlecht ging sagte ein Freund, dass er merkt, dass ich gerade den Menschen nicht in die Augen sehen kann, was stimmte, ich wollte nicht, dass jemand sieht, wie es mir geht. Aber ich habe darauf das Experiment gemacht und bin bewusst einkaufen und raus gegangen mit der Prämisse: Augenkontakt. Und was soll ich sagen, es schaut einen wirklich selbst auch keiner an - und nicht, weil ich selbst wie ein Homunculus daher komme, sondern es geht total unter. Lange Rede, wenig Sinn, kommt noch die Frage dazu, wo lernt man im fortschreitenden Alter jemanden kennen? Das Biotop Schule und Universität sind bei mir lange her, Disco kenne ich nur von Donna Summer im Radio. Kinder bringe ich nicht in den Kindergarten, denn dafür müsste ich rasch welche machen (und dann bis zur Kindergartenzeit warten).
Genauer aber zu Euren Texten: Während ich bei Staubwolke diese b(oder eher eine) Form von Hoffnung zwischen den Zeilen lese (kann alles, wie auch Folgendes, Projektion sein), kommt Selfcare mit einer Ernüchterung daher, die einer Imitation (wichtig hier!) eines frustrierten Menschen gleichkommt (lustig, spannend und traurig, wäre es, das Beispiel aus der Sicht eines Mannes umzuschreiben). Ein "Das muss doch vielleicht auch anders gehen" und ein "der selbe Mist in braun".
Vielleicht würde ich anders anfangen (bei mir, wo sonst). Ja, ich kenne das, die Fantasie die losgeht, wenn man ein bestimmtes Wort liest, wenn man etwas auf den Fotos sieht (was nicht mal an und mit der Person zu tun hat), wo man direkt denkt "Heiei, das könnte Probleme geben" und sich innerlich schon wieder dabei sieht zu ergründen, wem welche Bücher gehörten, weil man die gemeinsame Wohnung auflöst. Kann es nicht einfach auch mit der wahnsinnigen (hermeneutisch offen das Wort hier) Angst zu tun haben, wieder falsch zu liegen? Nachdem das letzte "Für-Immer" nach zwei/fünf/zehn plus X Jahren vorbei war aus Gründen, die vielleicht heute keiner mehr, selbst unter strenger Gefahr für das eigene Leben, nachzeichnen könnte? Spannend ist, warum dann ein Aspekt so groß werden kann, der alle anderen überscheint - und der Tip kann nicht sein, nehmt was man kriegen kann, der Sand in der Eieruhr läuft nicht nach oben.
Und ja, Dating ist wie Jobsuche, in nahezu jeder Beziehung.
Wo treffen: Einfach wenn das nächste Mal Taylor Swift läuft anfangen den Opalite Tanz zu tanzen und schauen, ob jemand einsteigt. 😄
Nett, dass du es Imitation nennst, Windläufer, leider ist dieser Typ Ehemann SO häufig auf Kontaktbörsen anzutreffen, als dass ihm die meisten Singlefrauen schon mal begegnet sind und nicht selten sind solche Männer auch ein 1a Grund Single zu bleiben.
Gerade wenn sie auch noch Taylor Swift hassen und nicht tanzen können UND nichts Interessantes lesen und zu sagen haben.
Natürlich kann man den Ehemann Unnützlichlicus auch verstehen, Sex ist ein Grundbedürfnis, kleine Kinder sind stressig, ABER gute Partner wären in der Lage das als eine besondere Situation in der Beziehung zu erkennen, die nicht mit dem temporären Austausch des Gegenübers zu lösen ist. Der Ehefrau gehts ja wahrscheinlich genauso, nur dass sie kaum 3h am Stück schläft, ihr Körper von Hormonwellen gebeutelt wird und sie immer noch Wirts- und Säugetier für einen weiteren Menschen ist. Aber jede und jeder hat so seine Grenzen. Betrug war noch nie die Lösung. Druck war noch nie die Lösung. "Familien kaputt machen" halte ich auch nicht für die Lösung als potentielle 3. Partei, weil dann lernt Mann nichts dazu und das Poke-Mann verlässt nie seine 1. Evolutionsstufe "Manchild".
Dating ist ABSOLUT wie Jobsuche: Wenige gute Stellen, schlechte Bezahlung und je spezialisierter man ist, desto mieser das Angebot!
Letztlich bleibt nur das berufliche Umfeld, Vereine, Hobbies,Klassentreffen, Feiern im Freundeskreis ( wenn sich Bekanntenkreise schon mal mischen)...
Wenn man kein extrovertiertes Naturell hat und mit Hinz und Kunz quatscht, wird es im Alltag schwierig.
Ggf noch im Café, wenn man alleine wo sitzt und einem jemand auffällt. Dann kann man noch flirten, oder einen Zettel mit der Tel Nr zustecken.
Vllt zieht noch ein neuer Nachbar(in) ins Haus oder die ältere Dame im Haus hat nette Söhne / Enkel......
Aber auch real muß man wohl viele Frösche küssen, bevor einem ein Prinz begegnet 😉
Es gibt übrigens auch noch im Altenheim ne Chance.
Ich hatte 2 Tanten , die dort jemanden kennengelernt haben 🙂
In so fern ist online Dating halt auch eine Möglichkeit , neue Menschen kennenzulernen. Aber ist ist halt nur ein Medium für Möglichkeiten. Mehr nicht.
Ah, d.h., wenn ihr Euch über Faulkner unterhalten könntet, wäre das alles nicht so arg? ;)
Der gemeine Mann fragt sich dann natürlich, warum diese Männer die Aufmerksamkeit binden. Ist es der "Bad Boy"-Mythos? Die Suche endlich wieder meterhohe Eisbecher auf der Couch zu leeren während "All by myself" läuft (na, wer hat es erkannt ;)). Der Gedanke, ihn zu retten vor einem Leben auf der dunklen Seite der Macht? Prinzessin Leias "Zufällig mag ich nette Männer" hielt ja auch nur wenige Filmminuten ehe sie den Schurken Han Solo küsste (der Gott sei Dank nicht ihr Bruder war).
Spannend, dass Du Dich für "deren" imaginierte Beziehung (oder ist das alles passiert?) einsetzt, nach dem "guten Partner" rufst, der erkennt, dass Probleme dazugehören (und Liebe am Ende eh Sache einer Entscheidung ist).
Genau, Teja, das hast Du absolut Recht. Ich würde nur einen Halbsatz ergänzen: "... ist halt nur ein Medium für Möglichkeiten" ... die man ggf. auch wahrnehmen muss.
Ich denke,beides kann gut funktionieren oder fürchterlich den Bach runtergehen
Letzten Ende kommt es ja auf die Ehrlichkeit an und man kann Online oder Real viel erzählen und lügen,aber ob etwas nur gut aussieht oder sich als gut entwickelt,das zeigt die Zeit und hüben wie drüben spielt das Bauch-Gefühl eine große Rolle
Ich gehe einfach davon aus, dass Menschen ihr Verhalten wiederholen, wenn sie einmal damit durchgekommen sind: Ein Mann, der einmal geht, wenn es Herausforderungen gibt, selbst wenn er sie mit gezeugt hat, geht beim nächsten Mal wieder und sucht sich einen einfachen Ausweg. Wenn ich ihm noch dabei geholfen habe, bin ich Mitschuld daran seine Persönlichkeitsentwicklung zu bremsen UND sorge noch dafür, dass er sich aus der Vaterrolle herausziehen kann, was ja vor allem seinem Kind schadet. Fände ich uncool. Hätte ich gewissenstechnisch Probleme mit - vor allem dem Kind gegenüber und der Frau, die ich ja in eine Abhängigkeit von dem Typen begeben hat. Außerdem will ich so einen Typen mit so wenig Rückgrat und Einsicht in die Konsequenzen des eigenen Handelns nicht. Das ist ja wie Daten vom Grabbeltisch á "Nimms, weil es (er) verfügbar ist". Grabbeln mag ja ganz attraktiv sein, aber bei zu billigem Plastik, kauft man dann später 2,3,4x..
Idealerweise ist ein Mann sich seiner selbst und seines Handelns bewusst UND er hat noch einen Horizont jenseits von Max und Moritz bzw. Candycrush. Faulkner muss gar nicht sein.... Bin aber für Überraschungen nach oben offen.
Hatte mich kürzlich mit einer Freundin darüber unterhalten, was der Reiz an Männern ist, die sich nicht als gute Entscheidungen herausstellen: Es ist wohl mehr dass Irrationale, Wilde, Stürmische, Leidenschaftliche, das ja da sein muss, um über das Fehlen jeder rationalen Grundlage hinwegzutäuschen. Ein Bad Boy ist wie ein Sturm der dich mitreißen kann, während ein Nice Guy eben freundlich an der Tür klopft und Frühstück dabei hat. Da darf man auch als Frau sich nicht blenden lassen. Weil irgendwann lässt der Sturm einen wieder fallen und dann ist Eisbecher-Stimmung. Bissel Wind braucht es, sonst kommt gar nichts in Bewegung.... Aber irgendwann weiß Frau einfach auch einen Mann zu schätzen, der von sich aus daran denkt, Frühstück mitzubringen und mit dem man den Eisbecher teilen kann. Fies sind die Typen, die 1-2x Frühstück mitbringen und sich dann in einen Sturm verwandeln.
Glaube, ich müßte beim Casting mit der Personalabteilung angeben:
Stärken: Wilde Metaphern
Schwächen: Wilde Metaphern
😶😶😶
Bin auch der Meinung, dass man diese Dinge wiederholt.
Und bitte nichts gegen Max & Moritz Wilhelm Busch war schon ein ziemlich kluger Kopf. ;)
"Auch jenseits von" Max&Moritz. 😉😄
Ja, bei manchen Dingen muss man bewusst dazu lernen wollen, sonst steckt man früher oder später in einem ähnlichen Schlamassel.
Ansonsten ist Online Dating halt auch nur eine Möglichkeit Leute kennenzulernen und hat für introvertierte Charaktere viele Vorteile. Außerdem sind Anmachen im realem Leben oft weird und nicht selten haben sie auch so nen Touch von Belästigung. Da weiß man dann nicht: Soll das hier ne Lovestory oder ein True Crime Podcast werden, wenn jemand GANZ deutlich fragt, ob ich alleine da bin und/oder einen Freund habe und dann ständig näher kommt oder sich ungefragt ins Auto setzt. Neulich passiert. Fand ich semi cool.
@Selfcare: Es hat sich ungefragt jemand zu Dir ins Auto gesetzt?!?
Ja. Auf dem Parkplatz von nem Laden. Hatte schon vorher versucht mich in ein Gespräch zu verwickeln und kam dann hinterher als ich wegfahren wollte. Tür auf, Typ drin.
Wie krass ist das bitte.
Sag ja, Anmache oder Anfang eines True Crime Podcasts, war beides möglich. In solchen Momenten mußt du dann laut werden und dich nach dem nächsten breit gebauten Typen oder Gruppe zwecks Hilfe umsehen.
Dann lieber ein blöder Spruch online. Die RL-Blockfunktion ist viel komplexer.
Ich finde gerade ziemlich spannend, wohin ihr meinen Gedanken tragt, weil einige Punkte dabei auftauchen, die ich beim Schreiben selbst noch gar nicht so auf dem Schirm hatte.
@Kurvenfan
Bei deiner grundsätzlichen Aussage zur Vorauswahl bin ich sogar ziemlich bei dir. Wenn ich beispielsweise ganz sicher weiß, dass ich niemals mit einem Raucher zusammenleben möchte, wäre es reichlich ineffizient, mich durch sämtliche rauchenden Männer Hessens zu daten, nur um diese Erkenntnis anschließend noch einmal empirisch abzusichern. 😉
Meine Frage beginnt für mich eher einen Schritt später:
Wie sicher weiß ich eigentlich, welches Kriterium tatsächlich ein Ausschlusskriterium ist und welches nur eines war, solange noch kein konkreter Mensch davorstand?
Vielleicht bleibt Rauchen auch beim tollsten Menschen ein klares Nein. Dann hat die Personalabteilung ihren Job hervorragend gemacht.
Vielleicht gibt es aber auch Dinge, von denen ich jahrelang dachte „niemals“, bis plötzlich ein konkreter Mensch vor mir steht und ich feststelle: Interessant. Offenbar war dieses Niemals doch eher ein „normalerweise nicht“.
Genau diese Begegnung hätte möglicherweise gar nicht stattgefunden, wenn die Personalabteilung vorher schon die Tür geschlossen hätte.
Und ich glaube, genau diese Frage interessiert mich daran mehr als die Frage, ob Vorauswahl grundsätzlich gut oder schlecht ist.
@SelfCare
Deinen Einwand finde ich von der anderen Seite nämlich genauso interessant. Natürlich können Informationen auch davor schützen, sich emotional irgendwo hineinzubewegen und viel später festzustellen, dass die Rahmenbedingungen überhaupt nicht passen.
Deine Personalabteilung hätte Ehemann Unnützlichicus vermutlich schon aussortiert, bevor er überhaupt einen Besucherausweis bekommen hätte. 😉
Nur bin ich beim Lesen an einem anderen Punkt hängen geblieben:
In deinem Beispiel steht zunächst „verheiratet“. Dahinter entsteht aber ziemlich schnell eine ganze Geschichte. Ein Mann, der keine Lust auf Verantwortung hat, Frau und Kinder hängen lässt, sexuell vor allem an sich denkt und sich nebenbei nach einer bequemeren Alternative umsieht.
Und natürlich kann genau diese Geschichte hinter „verheiratet“ stecken.
Es können aber auch zwei Menschen dahinterstecken, die sich sehr jung kennengelernt haben, zwanzig oder dreißig Jahre miteinander gelebt haben und irgendwann feststellen, dass aus den Menschen, die damals hervorragend zusammenpassten, inzwischen zwei ganz andere geworden sind.
Oder noch eine völlig andere Geschichte, an die wir beide gerade nicht denken.
Das Etikett „verheiratet“ wäre in allen Fällen vollkommen richtig. Nur erzählt es noch erstaunlich wenig darüber, was dahinter eigentlich gelebt wird.
Und andersherum finde ich es genauso spannend:
Auch hinter dem Etikett „Single“ steht schließlich nicht automatisch: emotional verfügbar, beziehungsfähig, verantwortungsvoll, mit sich und seiner Vergangenheit im Reinen und bereit für eine wunderbare Partnerschaft. 😉
Das Etikett liefert uns also eine Information. Aber einen erstaunlich großen Teil der Geschichte dazu schreibt offenbar unser eigener Kopf.
@Windläufer
Und genau deshalb bin ich an deinem Gedanken mit der Angst vor dem erneuten Falschliegen hängen geblieben.
Vielleicht benutzen wir Kriterien manchmal nicht nur, um passende Menschen zu finden, sondern auch, um Unsicherheit möglichst früh aus dem Kennenlernen herauszubekommen.
Wir haben Erfahrungen gemacht. Manche davon waren schön, andere würden wir gerne im Giftschrank der persönlichen Geschichte lagern. Natürlich lernen wir daraus.
Nur frage ich mich gerade, an welchem Punkt aus
„Mit diesem Menschen habe ich diese Erfahrung gemacht“
irgendwann
„Mit solchen Menschen macht man diese Erfahrung“
wird.
Und plötzlich bekommt vielleicht die sechste Person eine Rechnung präsentiert, die eigentlich ihre fünf Vorgänger verursacht haben.
Gleichzeitig können wir selbst einen Menschen heute vollkommen richtig einschätzen und trotzdem nicht wissen, wer er oder wir selbst in zehn oder zwanzig Jahren sein werden.
Vielleicht war eine Entscheidung damals also gar nicht falsch, nur weil sie irgendwann nicht mehr passt.
Das macht die Sache mit der möglichst fehlerfreien Vorauswahl natürlich ausgesprochen unpraktisch. 😉
Und noch einen Gedanken möchte ich dabei gerade ziehen, weil er in der Diskussion ein bisschen unterzugehen scheint:
Mir ging es in meinem Ausgangsbeitrag gar nicht darum, dass Kennenlernen „draußen“ besser und online schlechter funktioniert.
Die Schublade braucht schließlich kein WLAN. 😏
Ich kann genauso gut beim Speeddating, im Café, auf einer Party oder beim ersten Gespräch innerhalb von fünf Minuten meine innere Personalakte aufklappen und anfangen zu sortieren.
Online bekommen wir nur besonders viele Informationen und bereits beschriftete Schubladen geliefert, bevor der andere überhaupt die Chance hatte, als Mensch auf uns zu wirken.
Und vielleicht beginnt das Ganze sogar noch eine Ebene früher.
@Kurvenfan, du hast RF als „Partnersuche-Plattform“ bezeichnet. Und damit liegst du ja erst einmal gar nicht falsch. Schließlich steht hier sogar „Partnersuche mit Übergewicht“ über der Tür.
Und trotzdem musste ich ausgerechnet bei diesem Thema ein bisschen darüber schmunzeln.
Denn ist nicht selbst das schon wieder ein Etikett? 😉
Wenn ich RF als Partnersuche-Plattform betrete, ist ziemlich logisch, dass ich Menschen danach betrachte, ob sie als potenzielle Partner für mich infrage kommen. Dann wird aus Alter, Entfernung, Kindern, Rauchen, Beziehungsstatus und anderen Angaben ziemlich schnell eine sinnvolle Vorauswahl.
Gleichzeitig begegnen mir hier aber Menschen, die Partnerschaft suchen, Freundschaften, Flirts, Affären, nette Unterhaltung oder mehrere dieser Dinge gleichzeitig. Andere wissen vielleicht noch gar nicht genau, was sie suchen oder möchten erst einmal Menschen kennenlernen und schauen, was aus einer Begegnung überhaupt entsteht.
Schon stehen wir also alle am selben Ort und haben möglicherweise trotzdem völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was dieser Ort eigentlich ist und wozu wir hier sind.
Der eine betritt RF vielleicht mit einer ziemlich konkreten Stellenbeschreibung in der Hand. Der nächste schaut erst einmal, wer ihm überhaupt begegnet. Und ein Dritter sitzt möglicherweise einfach in der Kaffeeküche und wundert sich, warum hier ständig Bewerbungsgespräche stattfinden. 😉
Keiner davon muss deshalb die Plattform „falsch“ benutzen.
Aber vielleicht erklärt das auch, warum wir bei der Frage nach Vorauswahl teilweise zu so unterschiedlichen Antworten kommen.
Wer sehr konkret einen Partner mit bestimmten Voraussetzungen sucht, braucht seine Personalabteilung wahrscheinlich ganz anders als jemand, der zunächst Menschen kennenlernen und erst später herausfinden möchte, welche Bedeutung eine Begegnung überhaupt bekommt.
Vielleicht ist die Personalabteilung deshalb gar nicht das Problem.
Vielleicht ist die spannendere Frage, welchen Job wir ihr geben.
Soll sie Informationen liefern, mit denen wir selbst weiterdenken?
Oder soll sie anhand einiger Angaben bereits entscheiden, welche Geschichte vermutlich dahintersteckt und welchen Menschen wir deshalb überhaupt kennenlernen?
Ich weiß darauf übrigens selbst keine endgültige Antwort.
Aber genau deshalb finde ich gerade ziemlich interessant, was ihr aus meiner ursprünglichen Frage macht. 🙂
Ich bin meist einfach neugierig auf Menschen.
Und es braucht sich ja nicht nur eine Partnerschaft ergeben.
In Single Zeiten fand ich auch "Abenteuer" spannend.
Zumal ich eigentlich nicht viel erwartet habe. Wenn es sich ergibt, oder funkt....schön. Wenn nicht, schade, aber kein Weltuntergang.
Ich habe z.T tolle Menschen / Männer kennengelernt, aber sie paßte halt nicht wirklich für eine tiefe, enge Beziehung oder tiefe Freundschaft. Für mich !!!
Aber die Zeit hier als Suchender Single hat in mir etwas ausgelöst. Nämlich immer mehr Klarheit, was mir wirklich wichtig ist und was wohl doch gar nicht, obwohl ich das dachte....
Dieser Prozess hat mich "bindungsfähiger" für einen anderen Typ Mann gemacht, den ich früher eher langweilig fand.
Aber eben auch verdeutlicht, was ich lange gesucht habe, ohne es wirklich richtig benennen zu können...