Was ist denn die Definition von Smalltalk - und was ist denn dann eine anspruchsvolle Unterhaltung?

in „Smalltalk“

Zu diesem Thema gibt es 63 Antworten

"Quatschen, lachen, singen, feiern, manchmal auch weinen und schreien und und und .... das Leben fühlen.

Ohne Verpflichtung, ohne Morgen"


Das ist aber schon eine sehr, sehr, sehr, sehr weit gefasste Definition von Smalltalk.

"Naja Smalltalk hat ja auch ein sehr breites Spektrum. Das ist ja der Vorteil einer leichten Unterhaltung, zumindest meiner Meinung nach."

Genauso wie quatschen, lachen, singen (da weiß ich nicht sicher, aber das gilt für S.t. ja ebenso), feiern, weinen, schreien und und und .... das Leben fühlen. Komm, bitte, als ob das in irgendeiner Form an Smalltalk gebunden wäre. Und das in einem Thread, der Menschen, die Smalltalk nicht mögen, sich schwer tun damit oder wie auch immer, bewusst ans Bein pisst. Wenn man das möchte, bitte, aber das ist dann schon ziemlich hanebüchen so zu tun als seien all diese doch recht elementaren sozialen Handlungen mit Smalltalk verknüpft. KANN natürlich sein, aber genauso auch nicht.

Was ist so schlimm daran, sich einfach still umzudrehen, wenn das einzige Echo der nackte Schall der Hirnrückwand ist oder die Erkenntnis, dass das Leben des Gegenüber (scheinbar) viel zu wild oder viel zu ruhig ist, um sich selber darin vorstellen zu können?


Nix ist schlimm daran, aber wenn man eigentlich hier ist, um jemanden kennenzulernen, ist das Ziel eben eigentlich nicht alle anderen möglichst schnell schön von hinten zu finden, wenn sie gehen müssen.
Mit Smalltalk kommt man nur bis zu einem bestimmten Punkt und nicht weiter.
Der dreht sich nicht um wirklich wichtige Themen oder darum wie es in einer Person wahrhaftig aussieht, wie es ihr tatsächlich geht, was sie im Innersten bewegt.
Und wenn man keine Verbindung sucht die dann ewig nur auf Smalltalkniveau hängenbleibt, bei der man sich nur über den eigenen Alltag austauscht und ansonsten nebeneinander herlebt, ist es schon wichtig herauszufinden, ob das mit dem anderen überhaupt möglich wäre.
Nun kann das Gegenüber ja auch gerade beschäftigt oder abgelenkt sein... ich finde es deshalb wichtig, dem anderen die Gelegenheit zu geben sich eingrooven zu können. Wenn das nach mehreren Tagen nicht gelingt... Klar, dann verabschiedet man sich, aber etwas Zeit braucht es schon.
Sicher kann man tiefere Dinge auch in leichter, luftiger Sprache verpacken, aber über dich Monolith weiß ich z.b trotz vieler, vieler Worte über all die Jahre praktisch nichts. Ich weiß, dass du gerne redest, dass es eine Partnerin, Tante, Hund und Enkel gibt. Ähnlich viel weiß ich aber über die Bäckersfrau oder Frisörin nach bereits 5 Minuten Smalltalk auch. Alle Protagonisten scheinen bei dir wie graue Avatare in einem stillen Profil, in dem man kein Foto hochgeladen hat. Absolut austauschbare Nebenfiguren, die dir als Stichwortgeber bei Geschichten dienen, aber außerhalb deines Kosmos keine Funktion und kein Leben zu haben scheinen.
Selbst du bist, trotz Bild im Profil und extrem langer Beiträge, für mich ein graues Avatar, von dem ich keinen Schimmer habe wer da wirklich dahinter steckt, welche echten Freuden, Ängste, Zweifel und Überzeugungen er hat.

Will sagen: Wenn es ausschließlich und immer beim Smalltalk bleibt, wie bei dir... der Blick nie unter die Oberfläche gehen darf, alles in - mehr oder weniger - amüsanter Plauderei versandet, dann kann nie eine wirkliche und authentische Verbindung entstehen.
Du wärst in der Begegnung nicht weniger ein betreuter Monolog als deine wortkargen Geschlechtsgenossen. Der Monolog wäre nur länger... eben weil es weniger um die Form (Smalltalk oder Deeptalk) geht, sondern um die Haltung.
Und die Haltung ist sehr oft: Schau mich an, interessiere dich für mich, bemühe dich um mich. Me, myself and I.... weniger: Ich bin neugierig auf dich. Lass uns schauen ob wir eine Verbindung miteinander aufbauen können.
Die Worte sind da nur die äußere Form.
Nichts sagen kann man natürlich auch mit vielen davon. 🤷‍♀️

@Carla-1
Naja aber Smalltalk ist ja quasi nur der Einstieg zu einer ernsthafteren oder tieferen Konversation. Ich denke schon, dass man da auch persönlichere Dinge über das Gegenüber erfahren kann. Ansonsten gilt auch hier der Grundsatz selbst fragen oder dem Gegenüber auch Zurückspiegeln, wenn er für dich zu viel redet. Also ich finde leere Worthülsen auch eher lästig, denn die sind für mich noch deutlich unterhalb des Smalltalk anzusiedeln. 😅

Moin Frau 1.

Herausragender Beitrag, finde ich. Gefällt mir sehr gut und für mich empfunden ein messbares Stück von Smalltalk entfernt.

Ja, auch das gut erkannt, ich habe mich hier letzte Woche wieder angemeldet, weil ich mich kurzweilen und zerstreuen lassen möchte und durch meine Beiträge, mehr oder weniger, dazu beizutragen.
Im besten Fall versüßt und verkürzt mir das meine Schreibtischzeit und im allerbesten Fall ergeben sich 1-2-3 Verknüpfungen, für die es eine Zeit danach gibt.

Ich könnte jetzt ja auch wieder aberduen und sagen, dass Sie ja viel mehr über mich wissen, als ich über Sie.. doch für mich ist dieser Aspekt z.B. überhaupt kein relevantes Merkmal.

Für mich persönlich ist das in weit über 95% der Fälle eindeutiger Smalltalk. Ich habe aber auch schon Geheimbotschaften von Menschen erhalten, die meine jahrzehntelange Karriere als verbal Inkontinenter nicht verfolgt haben, die da sagen, dass sie mein Geschwurbel interessant, witzig und kurzweilig finden. Und ich versichere an Eides statt, dass ich denen keinerlei persönliche Zusatzleistungen zugesagt habe.

Ich kann Ihre Sehnsucht nach dem Mehr umfänglich nachvollziehen. Ich kann mich z.B. entsinnen, dass ich mal zu einer Charity-Veranstaltung mit richtig Haute-wo-Laute eingeladen war und es gab nichts und niemanden, mit dem ich dahin gehen wollte, konnte, mochte. Ich empfand das total schrecklich und es hat mich auch verängstigt. So weit, dass ich trotz vorher zugesandten Bändchen und Parkplatzschild, ohne Absage ferngeblieben bin. Das hat mich viele Jahre verfolgt, denn ich empfand es für mich persönlich als Niederlage.

Ich habe dann später, ganz klassisch und altmodisch, vor ziemlich genau 8 Jahren Frau K hier kennengelernt und sind jetzt seit dem 8.12.2018 zusammen. Wobei manches vorher so gar nicht danach aussah. Sie war eine bekennende Ü-Gängerin und ich schrieb sie an, da ich damals noch in Herne wohnte, dass wir uns da ja treffen und bei einem Kaltgetränk bilaterale Beziehungen knüpfen könnten.
Ihre Antwort war - ja wenn sie da Zeit finden würde und wir uns zufällig sähen, dann könnte sie ja mal darüber nachdenken...-
Meine Antwort hatte alles Zeug von Zuendebevoresüberhauptangefangenhat, denn ich antwortete ihr, dass sie sich dieses mentalen Stresses und inneren Konfliktes nicht aussetzen müsse, denn ich wäre als Nummernboy und Teil einer Warteschlange maximal ungeeignet....

Tja, ihr Fehler mir nochmals zu antworten. Das hat sie bis heute nun davon...

So, reicht,
M

Eigentlich ging es ja um Smalltalk...

Deshalb nochmal ganz kurz: Warum nicht so gerne Smalltalk beim Daten? Weil es bei Smalltalk nicht um Inhalte oder ums zuhören geht. Smalltalk ist im Prinzip eine Leere stopfen, die sonst Schweigen wäre und anschließend darauf zu warten, dass man wieder mit reden dran ist.

@Carla-1
Auf der anderen Seite hat man die tatsächlichen Fakten auch ganz schnell leer erzählt. Das ist ja ein Problem in vielen langfristigen Beziehungen. Wenn irgendwann kennt man das Gegenüber ja nun mal tatsächlich. Die Frage ist halt wenn man das alles in Lichtgeschwindigkeit abhandelt was kommt danach? Über was redet man dann z.B. beim ersten echten Treffen?
Also ich denke schon dass Smalltalk zum einen wichtig ist und zum anderen eben auch eine Überbrückung bis zu diesem Punkt.
Da geht es eher darum die soft skills des Gegenübers herauszufinden.

Wenn man aufmerksam, empathisch und etwas Menschenkenntnis hat, erfährt man auch über Smalltalk zum Beispiel an der Wortwahl einiges über die Person. Wer beispielsweise mal jahrelang in der Gastro gearbeitet hat, redet womöglich anders über eine Bar oder ein Restaurant als jemand, dem das total fremd ist. Auch Gespräche über Filme oder Autos sind meist eher Smalltalk, ein besonderes Engagement bei dem Thema kann trotzdem andere auf einen entsprechenden beruflichen Hintergrund schließen lassen.

So die ersten 10 Minuten eines Dates kann man schon noch mit Smalltalk verbringen so nach dem Motto, ob der andere gut hergefunden hat, um miteinander warm zu werden. Wenn man allerdings nach einer halben Stunde immer noch bei Themen wie Parkplatzsuche, Zugverspätung und Inneneinrichtung der Bar hängt , läuft natürlich etwas schief.

@Kurvenfan - nun wenn man die tatsächlichen Fakten auf ein paar Zahlen, Orte, Abschlüsse reduziert, ist das natürlich schnell leer erzählt. Aber man kann ja etwas tiefer bohren, Hintergründe und persönliche Entwicklungen beschreiben, da kann man sehr lange tiefgründige Unterhaltungen führen.

"Die Frage ist halt wenn man das alles in Lichtgeschwindigkeit abhandelt was kommt danach? Über was redet man dann z.B. beim ersten echten Treffen?"

Das finde ich heftig. Ähnlich riet ich einem Mann (er hatte mich explizit danach gefragt), für sein Profil, alle seine "frag mich"s zu entfernen und er sagte, ja aber, wenn er da schon alles in das Profil reinschreiben würde, dann hätte man ja nichts mehr zum schreiben. Also, wenn man nach dem Austausch von ein paar rudimentären Informationen keinen Gesprächsstoff mehr hat, dann hat man aber wirklich ein Problem. Ich weiß, ich bin leider eine schreckliche Plaudertasche, das ist dann sicher das andere extrem, aber SO WENIG kann man doch gar nicht zu erzählen haben?

Abgesehen davon kommt irgendwann the fewer the words, the more the understanding.

"Wie du bist eine Plaudertasche ohne Smalltalk? 😅"

Das ist eben ähnlich wie mit:

"Quatschen, lachen, singen, feiern, manchmal auch weinen und schreien und und und .... das Leben fühlen."

Ich nehme all diese Dinge für mich in Anspruch, naja, ok, singen tatsächlich nur, wenn ich es mit dem von der barkeepingbeauftragten Fachkraft (mir) liebevoll zubereiteten Mojito oder Cuba Libré einiges zu gut gemeint habe, was sich übrigens für die Zuhörer auch empfiehlt, aber ansonsten: ihr habt das alle nicht für euch gepachtet, wenn ihr Smalltalk, übrigens nochmals: BEIM DATEN! (speziell beim Chatten) gut findet.

"Kurvenfan
Heute, 18:23

@Alea.iacta.est
Ja wieso denn beim Daten nicht?
Da ist es doch gerade besonders wertvoll."


Falls die Frage tatsächlich so neutral gemeint ist, wie sie klingt, finde ich das übrigens sehr gut. Nur am Rande.

Warum? Also zum einen hat Carla-1 das allgemein sehr gut ausgedrückt

"Deshalb nochmal ganz kurz: Warum nicht so gerne Smalltalk beim Daten? Weil es bei Smalltalk nicht um Inhalte oder ums zuhören geht. Smalltalk ist im Prinzip eine Leere stopfen, die sonst Schweigen wäre und anschließend darauf zu warten, dass man wieder mit reden dran ist."

Präziser ging es mir ja ums Chatten. Das hatte ich bei dem eigentlichen Stein des Anstoßes im anderen Thread ja auch ausgeführt und mit Beispiel. Smalltalk wie ihn hier AdMM beschrieb, sich zu Beginn zu fragen wie man hergefunden hat und gut einen Parkplatz gefunden hat, darum geht es ja nicht. Ich halte den Smalltalk, den ich im anderen Thread beschrieb für besonders wertlos. Man kommt kein Stück, keinen mm weiter im Kennenlernen, aber man fragt gleichzeitig jemanden vollkommen Fremdes im Grunde sehr private Dinge. Klar, ist man in der Position so wie du im anderen Thread schriebst "es geht dir gut und du bist auf dem Weg zur Arbeit", dann ist das relativ belanglos und ja klar, kann man sagen, hilft zwar nicht viel, kann man aber. Nur, ist es denn wirklich nicht nachvollziehbar, dass eine mögliche Antwort auch sein könnte, dass man seit zwei Tagen Periodenkrämpfe hat und außerdem auf dem Weg zum Arbeitsamt ist, weil vor ein paar Tagen die Kündigung kam und man sich dann ja rechtzeitig arbeitssuchend melden muss und das schlicht zu diesem Zeitpunkt fucking niemand völlig Fremden etwas angeht? Tja und ja, jetzt kann man natürlich lügen. Stellt sich die Frage, warum ist es dann wertvoll im Dating Kontext, wenn es einfach nur ums Lügen geht? Vielleicht möchte ich auch ganz grundsätzlich ungerne lügen und vielleicht auch insbesondere, wenn es um eine potentiell tiefere Beziehung geht. Vielleicht mag ich einfach nicht das Gefühl für so einen banalen Blödsinn zu lügen, weil es sich anfühlt, als zieht man die eklige kratzige Strumpfhose, die man als Kind tragen musste an und außerdem den rosa Wollpullover von süße Oma, der leider noch mehr kratzt und rote Pusteln auf der Haut hinterlässt und mit all dem steigt man in die Stoffschuhe, die am Vortag innen und aussen pitschnass wurden und mit all dem muss man den ganzen Tag rumlaufen und gerade wenn man das am Abend vielleicht alles ausziehen könnte, muss man die nächsten Lügen auftischen.

Ich bin zwar keine Plaudertasche, aber ich finde ich es auch heftig, wenn einem in einer Beziehung so schnell der Gesprächsstoff über eher anspruchsvolle Gesprächsthemen ausgeht. Natürlich unterhalten sich Paare oft über alte Kamellen, aber man kann immer neue Seiten an seinem Partner kennenlernen. Außerdem gibt's ja laufend neue Entwicklungen - im Umfeld, gesellschaftlich, politisch, sozial usw .

Wenn einem der Gesprächsstoff so fix ausgeht klingt das für mich schon etwas starr, eingefahren, unreflektiert, eindimensional.

@ Alea
"Weil es bei Smalltalk nicht um Inhalte oder ums zuhören geht. Smalltalk ist im Prinzip eine Leere stopfen, die sonst Schweigen wäre und anschließend darauf zu warten, dass man wieder mit reden dran ist."
Gut da gehen ja nicht alle hier unbedingt so mit. Denn auch Smalltalk ist halt schon ein bisschen mehr. Und Zuhören muss man natürlich schon auch können, ADMM hat einige gute Beispiele genannt, wie ich finde, dass man z.B. auch mit solchen auf den ersten Blick oberflächlichen Unterhaltung etwas über das Gegenüber erfahren kann.

"dass man seit zwei Tagen Periodenkrämpfe hat und außerdem auf dem Weg zum Arbeitsamt ist, weil vor ein paar Tagen die Kündigung kam und man sich dann ja rechtzeitig arbeitssuchend melden muss und das schlicht zu diesem Zeitpunkt fucking niemand völlig Fremden etwas angeht?"
Das wiederum kann ich sehr gut nachvollziehen. Und habe ich ja z.B. in meiner Erklärung zu einem für mich guten Gespräch auch geschrieben. Über den Job zu reden ist für viele auch eine Grenze, die man erst überschreiten würde wenn man sich vielleicht besser kennt und mehr Vertrauen zum gegenüber hat. Genauso sieht es auch mit gesundheitlichen Problemen oder ähnlichen aus. Das bindet man ja auch nicht bei der erstbesten Gelegenheit auf die Nase. Aber umso schwieriger ist es ja ein Thema zu finden, dass nicht zu privat ist aber auch nicht so belanglos dass ich beide Seiten gelangweilt fühlen. Der Spagat ist sicher nicht einfach.
In deinem Beispiel hätte man es ja vielleicht auch etwas indirekter verpacken können. Ich bin z.B. so gestrickt, wenn mich jemand fragt
Wie es mir geht und es geht mir wirklich nicht gut, dann sage ich das auch. Das erzeugt bei dem ein oder anderen schon mal Irritationen, weil es eigentlich so eine rhetorische Frage ist aber ich finde es streng genommen sogar aufrichtiger und angemessener ehrlich darauf zu antworten.

"Tja und ja, jetzt kann man natürlich lügen."
Das würde ich auf keinen Fall. Aber zwischen lügen und im Gegenüber alles auf die Nase zu binden gibt es ja noch einen Zwischenbereich. Und es wäre für mich auch legitim zu sagen wenn er z.B. nach meinem Job fragt, dass ich aktuell nicht darüber reden möchte. Ich fände es dann auch fair in der Situation vielleicht ein anderes Gesprächsthema anzubieten. So entknotet man die Situation und es entsteht eben nicht so eine peinliche Stille, weil man ein Thema angeschnitten hat was dem Gegenüber unangenehm ist.